Worauf es bei der Auswahl des ETF ankommt.

In meinem letzten Beitrag habe ich dir die einzelnen Schritte zur passiven Anlage erläutert. Wie versprochen kommt nun der ausführliche Nachtrag zum wohl wichtigsten Teil: Worauf man bei ETFs achten soll.

Da ich in diesem Artikel doch sehr tief in die Eigenschaften von ETFs einsteige, lass uns doch vorab nochmal einen kurzen Blick darauf werfen, was ein ETF ist. Ein Exchange Traded Fund ist ein Fonds, dessen Anteile an der Börse gehandelt werden. Mit anderen Worten kannst du dir einen Topf vorstellen, der das Geld von verschiedenen Anlegern sammelt und investiert. Kennzeichnend für dieses Produkt ist, dass er lediglich einen Index wie den DAX nachbildet. Dieser geringe Aufwand in der Verwaltung spiegelt sich dann auch in den vergleichsweise günstigen jährlichen Gebühren wider.

Worauf kommt es nun bei der ETF-Auswahl an?

  1. Fondsgröße
  2. Replikationsmethode
  3. Gewinnverwendung: Thesaurierend oder ausschüttend
  4. TER (Gebühren)

1. Fondsgröße

Die Fondsgröße stellt die Summe aller eingezahlten Beiträge durch die Anleger dar und ist somit ein Indikator für die Nachfrage nach Fondsanteilen. Warum ist das wichtig? Nun, je höher die Nachfrage nach dem Fonds ist, desto wirtschaftlicher ist er. Mit anderen Worten: Der Anbieter wird ein größeres Interesse daran haben, ihn am Laufen zu halten und das ist für uns als langfristig orientierte Anleger sehr wichtig. Denn wenn dem nicht so ist, kann es sein, dass ein Fonds geschlossen wird. Das birgt für einen ETF-Anleger zunächst kein direktes Verlustrisiko, weil ETFs zu den sogenannten Sondervermögen zählen. Das bedeutet, dass deine Anteile im Falle einer Insolvenz des Anbieters geschützt sind. Wenn der Anbieter bankrott geht oder den Fonds einstampfen will, ist er verpflichtet, dir die Anteile zu den Schlusskursen des Schließtages auszuzahlen.

Dennoch hat das den Nachteil, dass du dich im Anschluss über eine Wiederanlage Gedanken machen und die Gebühren für den Kauf der Anteile eines neuen ETFs zahlen musst. Um das Risiko der Fondsschließung zu minieren solltest du daher darauf achten, dass das Fondsvolumen im besten Fall mehr als 50 Mio. Euro beträgt. Aber selbst wenn dies nicht der Fall ist, ist das kein Beinbruch. Ich muss hier an der Stelle auch betonen, dass Fondsschließungen eher selten vorkommen. Vor allem sind hiervon eher ETFs auf Nischenindizes betroffen. Wenn du also keinen ETF auf die kenianische Telekommunikationsbranche kaufst und das Volumen nicht nur wenige Million Euro beträgt, solltest du dir nicht allzu sehr den Kopf zerbrechen deswegen. 😉

2. Replikationsmethode

Repli.. was?! Zugegeben: Der Begriff erscheint zunächst komplex, steht aber für etwas recht Einfaches. Es geht nämlich darum, wie der Index abgebildet wird. Man unterscheidet hier zwischen sogenannten physischen und synthetischen ETFs.

Physischer ETF

Wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, beinhaltet die physische Variante 1:1 die im Index enthaltenen Aktien. Ein entsprechender ETF auf DAX hält also genau die 30 Werte in der Gewichtung wie sie auch tatsächlich im Index vertreten sind. Im Fachjargon spricht man auch von „Full Sampling“ oder „vollständige Replikation“. Neben dieser Variante gibt es bei den physischen ETFs auch ein „optimiertes Sampling“. Das kommt vor allem bei der Abbildung sehr großer Indizes zum Tragen. Stell dir nämlich vor, dass ein ETF auf den MSCI World alle 1.600 enthaltenen Aktien kaufen und in der richtigen Gewichtung halten muss. Das ist wie du dir schon denken kannst, ein großer Aufwand. Gleichzeitig sind im Index auch sehr viele kleine Werte enthalten, deren Anteil am Gesamtindex deutlich weniger als 0,x % ausmachen. Entsprechend versucht man also beim optimierten Sampling nur diejenigen Aktien zu halten, die tatsächlich den Indexkurs bewegen. Die Einsparung des Aufwandes für die kleinen Werte im Index spiegelt sich oft in der jährlichen Gebühr für den Fonds wider.

Synthetischer ETF

Bei dieser Variante ist es nicht zwingend erforderlich, dass der Fonds die im Index enthaltenen Aktien auch tatsächlich hält. Die Entscheidung, welche Aktie gekauft wird, hängt von einigen Faktoren ab wie Liquidität (Wie gut ist die Aktie handelbar? Handelt es sich um eine „Standard-Aktie“ wie Siemens, die schnell gekauft und verkauft werden kann?) oder steuerliche Aspekte. Bei einem synthetischen ETF kann es also sein, dass die Aktien des abzubildenden Index gehalten werden, muss aber nicht.

Die Abbildung des Index-Kursverlaufes geschieht nicht direkt über diesen Fonds, sondern über ein Tauschgeschäft mit einer anderen Bank, die oftmals eine Tochtergesellschaft ist (Deshalb nennt man synthetische ETF oft auch „Swap-ETF“). Das kannst du dir wie eine Art Vereinbarung vorstellen: Der Anbieter deines ETFs zahlt der Partnerbank die Rendite der darin enthaltenen Aktien. Im Gegenzug verpflichtet sich die Gegenpartei, den Verlauf des abzubildenden Index zurückzugeben.

Jetzt wirst du dich fragen, wieso man sich so einen großen Aufwand macht? Wieso macht man es nicht dem physischen ETF gleich und kauft einfach die Wertpapiere des Index? Nun, der Vorteil bei dieser Variante ist, dass man insbesondere Nischen-Indizes, die selten gehandelte Aktien enthalten, kostengünstig(-er) abbilden kann. Ein wichtiger Faktor ist nämlich die Handelbarkeit der Wertpapiere. Wie vorhin kurz erwähnt, herrscht für bekannte Aktien wie Siemens ein „gesunder“ Markt. Es gibt also ausreichend Angebot und Nachfrage, sodass man zu den Handelszeiten der Börse jederzeit die Aktie handeln kann. Wenn wir jetzt aber beispielsweise an Aktien eines börsennotierten Unternehmen in einem Entwicklungsland kommen wollen, ist das Ganze nicht so einfach. Gibt es denn überhaupt  jemanden, der seine Anteile aktuell verkaufen will? An welcher Börse wird sie überhaupt gehandelt? Du merkst schon: Das kann schnell zu hohem Aufwand und Kosten führen.

Wo es aber in der Börsenwelt Vorteile gibt, muss es auch fast immer Nachteile geben. Bei den synthetischen schimpft es sich „Kontrahentenrisiko“. Denn mit der Vereinbarung verlässt du dich bei einem Swap-ETF eben auch auf die Gegenpartei. Was ist aber nun, wenn sie ausfällt? Früher bestand das Risiko im schlimmsten Fall tatsächlich aus einem großen Verlust. Heutzutage gibt es allerdings rechtliche Vorgaben, die Anbieter verpflichten, mindestens 90% des Tauschvolumens abzusichern. Das bedeutet, dass maximal 10% des Vermögens im Falle einer Insolvenz des Tauschpartners dem Verlustrisiko ausgesetzt sind.

Da heutzutage aufgrund des großen Wettbewerbs physische ETFs auch sehr günstig geworden sind, mache ich das Ganze hier an der Stelle kurz und empfehle dir, wenn möglich immer auf physische ETFs zu setzen.

3. Gewinnverwendung

Da ETFs Aktien halten und einige von ihnen Dividenden ausschütten, ist ein weiterer Unterscheidungsfaktor der Umgang mit Dividenden. Wenn sie im Fonds einbehalten werden, spricht man von einem thesaurierenden ETF. Werden sie an die Anleger ausgezahlt, handelt es sich um einen ausschüttenden Fonds.

Hier gibt es an sich keine universelle Empfehlung, da es bei beiden Vor- und Nachteile gibt.

Ein Thesaurierer ist sicherlich in der Ansparphase für den Zinseszinseffekt sehr sinnvoll. Die Dividenden werden automatisch einbehalten und du musst in der Hinsicht nichts tun. In der Auszahlphase (wenn du z.B. in Rente bist und an das Geld kommen möchtest) musst du dann allerdings Anteile verkaufen, was zu Gebühren führt.

Ein Ausschütter ist in der Ansparphase etwas aufwändiger, da du für den Zinseszinseffekt die Ausschüttung wieder anlegen musst, was wieder Gebühren kostet. In der Auszahlphase kannst du dich allerdings über die gebührenfreien Ausschüttungen freuen.

4. TER (Gebühren)

Wie eingangs erwähnt, zeichnet ETFs aus, dass sie im Vergleich zu vielen anderen Fonds kostengünstig sind. Wie teuer ein spezifischer Fonds ist, kann man anhand der sogenannten TER (Total Expense Ratio) sehen. Dieser Prozentwert gibt an, wie viel vom investierten Volumen jährlich an Gebühren anfallen. Da die Verrechnung auf Fondsebene geschieht, musst du die Gebühr nicht aktiv bezahlen.

Bei diesem Kriterium gibt es keine großen Abwägungen. Wenn die anderen Eigenschaften des ETFs passen, gilt das Prinzip „Je günstiger, desto besser!“.

Eine pauschale Aussage, was generell als günstig gilt, ist schwer zu treffen, da es auch wie eben angesprochen von anderen Faktoren wie die Replikationsmethode oder den Index ankommt.

Als grobe Daumenregel kannst du davon ausgehen, dass für große bekannte Indizes eine TER von weniger als 0,1% als sehr günstig gilt, während du bei mehr als 0,5% nochmal vergleichen solltest.

Kurzum

  1. Ein ETF ist ein kostengünstiges Produkt, mit dem du in einen Index investieren und den Verlauf 1:1 abbilden kannst.
  2. Fondsgröße, Replikationsmethode, Gewinnverwendung und die jährlichen Gebühren sind wichtige Faktoren, die du bei der ETF-Auswahl beachten solltest.

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