Wie viel Zeit hast du?

Wer sich meine bisherigen Beiträge aufmerksam durchgelesen hat, hat sicher gemerkt, dass ich oft von „langfristigem Vermögensaufbau“ gesprochen habe. Die Betonung liegt hier auf „langfristig“, denn der Anlagehorizont ist absolut entscheidend. Das ist auch im Übrigen ein Grund, wieso ich diesen Blog speziell für junge Akademiker schreibe: Sie haben nach einem langen Studium in der Regel gutes Einkommen, wissen aber oftmals nicht, wie sie das Geld sinnvoll anlegen können. Gleichzeitig haben sie meist einen langen Anlagehorizont, der weit über zehn Jahre reicht.

Denn nur wer einen langen Anlagehorizont mitbringt, kann von den langfristig positiven Gewinnerwartungen am Aktienmarkt profitieren. Jetzt wirst du mir natürlich entgegnen, dass Aktien im Wert schwanken und im Falle einer Finanzkrise die Kurse massiv einbrechen können. Richtig, aber auch hier müssen wir das Risiko der Wertschwankungen in eine relative Perspektive rücken.

Werfen wir doch als Beispiel einen Blick auf den MSCI World-Index:

Quelle: https://www.onvista.de/index/chart/MSCI-WORLD-Index-3193857 (Stand: 06.04.2019)

Abgebildet ist hier der Kursverlauf des MSCI World, ein Kursindex, der die Wertentwicklung der 1.600 größten Unternehmen von über 20 Industriestaaten darstellt.

Exkurs: Ein Index ist einfach gesagt eine Gruppe von Aktien. Je nach Name und Definition kann ein Index unterschiedliche Aktien enthalten. Der DAX umfasst beispielsweise die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland und wird oft als Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft genommen.

Man unterschiedet bei Indizes zwischen zwei verschiedenen Arten: Kurs- und Performanceindex. Ein Kursindex bildet lediglich den Kursverlauf der Aktienkurse ab, während ein Performanceindex auch etwaige Dividendenausschüttungen berücksichtigt. Dividenden sind Gewinnausschüttungen von Unternehmen an die Anleger. Ein Performanceindex, der Unternehmen enthält, die Dividenden ausschütten, wird also immer einen positiveren Verlauf haben als die Kursindex-Variante.

Wenn wir uns nun den Verlauf genauer ansehen, fallen uns einige Sachen auf:

  1. Es gibt Schwankungen, die mal kleiner und mal größer ausfallen.
  2. Es gibt zwei große Kurseinbrüche (Dotcom- und Immobilienblase in den USA).
  3. Der langfristige Trend ist positiv.
Quelle: https://www.onvista.de/index/chart/MSCI-WORLD-Index-3193857 (Stand: 06.04.2019)

Um das zahlenmäßig noch zu hinterlegen: Die beiden großen Kurseinbrüche sind mit Verlusten von etwa 50% verbunden! Wer also in diesem Zeitraum investiert war, musste zwischenzeitlich eine Halbierung des investierten Kapitals hinnehmen.

Und dennoch: Wer das aussitzen konnte und langfristig investiert geblieben ist, kann sich über eine jährliche Steigerung von 7,3% (durchschnittliche jährliche Entwicklung des MSCI World von 1979 bis 2019) freuen. Aus einmalig investierten 10.000€ werden in 20 Jahren 40.926€ und das ohne Berücksichtigung von Dividenden (die man in diesem Zeitraum hätte reinvestieren können), da wir hier auf den Kursindex schauen.

Nun, was sagt uns all das? Wer nur für einen kurzen Zeitraum von beispielsweise zwei bis drei Jahren in Aktien investiert, spekuliert darauf, dass die Kurse am Ende höher stehen als am Anfang. Letztlich kann keiner vorhersagen, wann es an der Börse kracht. Wer allerdings länger investiert bleibt, profitiert vom langfristigen Wirtschaftswachstum.

Im Endeffekt kommt man bei der Suche nach einer Anlagemöglichkeit, die auch die Inflation ausgleichen kann, nicht um Aktien herum (zumindest nicht zu einem gewissen Teil). Wer den entsprechenden Anlagehorizont und eine gewisse Risikotoleranz mitbringt, erkauft sich anders gesagt mit den kurz- und mittelfristigen Schwankungen die langfristig positive Rendite.

Neben dem Anlagehorizont spielen bei der Geldanlage natürlich auch weitere Faktoren eine wichtige Rolle, die im Vorfeld definiert werden müssen. Dazu gehören unter anderem Risikotoleranz, Vermögensallokation und Anlagestrategie. Auf diese Themen werde ich in zukünftigen Artikeln detailliert eingehen. Bleib also dran und lies fleißig mit 😉

Kurzum

  1. Ein langer Anlagehorizont (>10 Jahre) ist notwendig für eine sinnvolle Anlage in Aktien. Kurzfristige Anlagen sind spekulativ, da Börsencrashs nicht zuverlässig vorhergesagt werden können.
  2. Die Aktienmärkte entwickeln sich langfristig positiv, kurz- und mittelfristige Schwankungen müssen allerdings hingenommen werden.


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