Wie viel Risiko darf es sein?

Risiko – ein Begriff, der uns in fast allen Lebensbereichen begegnet, sei es beim Sport, bei Reisen, beim Autofahren und bei vielen anderen Sachen. In diesem Beitrag geht es aber natürlich nicht um diese Risiken, sondern um das Risiko bei der Geldanlage.

Ein wichtiger Baustein und eine der ersten Schritte, bevor man sich mit konkreten Anlagestrategien beschäftigt, ist die Festlegung der eigenen Risikotoleranz. Wie viel Risiko verträgst du? Einige werden mich jetzt fragen, was man bei der Geldanlage unter Risiko konkret versteht. Generell kann man sagen, dass das Risiko aus gewissen Wertschwankungen bis hin zum Totalverlust der Investition besteht. Wenn du also beispielsweise 100€ in eine risikobehaftete Anlage investierst, kann der Wert im Laufe der Zeit schwanken. Er kann steigen oder aber auch fallen. Risikofreie Anlagen sind hingegen in der Hinsicht sicher (abgesehen von Weltuntergangsszenarien), dass der Wert nicht unter den eingezahlten Betrag fallen kann.

In der Finanzwelt unterteilt man verschiedene Anlagemöglichkeiten nach diesem Schema. Man spricht auch von sogenannten „Assetklassen“. Eine Assetklasse stellt eine Gruppe von Anlagemöglichkeiten dar, die ein ähnliches Risiko-Ertrags-Verhältnis haben. Die folgende Liste stellt grob die bekanntesten Assetklassen dar und ist nicht vollständig:

  1. Aktien
  2. Festverzinsliche Wertpapiere
    • Staatsanleihen
    • Unternehmensanleihen
  3. Immobilien
  4. Liquide Mittel
    • Bargeld
    • Tagesgeldkonto
  5. Rohstoffe

Das ist schön und gut, aber in was soll ich investieren?

Das ist sicher eine Frage, die du dir als (angehender) Akademiker vielleicht schon mal gestellt hast. Du bist so gut wie fertig mit dem Studium und der erste Job bereits in der Tasche. Das erste Gehalt ist nicht mehr fern und damit auch Gedanken wie “In was sollte man anlegen?” oder “Wie lege ich mein Geld an?”.

Angesichts der aufgezeigten Assetklassen und da wir alle natürlich kein Risiko mögen, können wir uns demnach also aus der Liste einfach die risikofreien Anlageformen auswählen und unser gesamtes Kapital investieren, oder? So einfach ist das leider nicht, denn hierfür gibt es zwei Gründe:

  1. Wie wir in diesem Beitrag festgestellt haben, muss eine Anlage immer unter dem Gesichtspunkt der Inflation betrachtet werden.
  2. Es gibt keine Rendite ohne Risiko.

Den ersten Grund habe ich bereits im verlinkten Artikel erläutert. Für den zweiten Punkt schauen wir uns mal das Ganze am Beispiel einer Staatsanleihe an.

Exkurs: Eine Anleihe kann man sich grob gesagt wie eine Art Kredit vorstellen. Der Käufer einer Anleihe erwirbt das Recht auf Zinszahlungen und auf Rückzahlung des initial investierten Betrages nach einem gewissen Zeitraum. In den meisten Fällen wird der zu zahlende Zins vorher festgelegt. Es gibt unterschiedliche Arten von Anleihen. Eine maßgebliche Unterscheidung ist der Herausgeber der Anleihe. Während dies bei deutschen Staatsanleihen der deutsche Staat ist, ist bei Unternehmensanleihen der Schuldner das jeweilige herausgebende Unternehmen.

Eine Staatsanleihe kann je nach Herausgeber einen unterschiedlichen Zins haben. Der Grund hierfür ist einfach das Risiko für einen Zahlungsausfall des Herausgebers. Wenn du die Zinsen von beispielsweise deutschen und griechischen Staatsanleihen vergleichst, wirst du feststellen, dass der Zins für eine griechische Staatsanleihe deutlich höher ist. Man spricht hierbei auch von einer sogenannten Risikoprämie. Du gehst ein höheres Risiko ein, wirst aber im Falle, dass der Schuldner solvent bleibt, mit höheren Zinszahlungen belohnt. Die erwartete Rendite einer riskanten Anleihe ist also höher, aber damit einhergehend auch das Risiko für einen Zahlungsausfall.

Während Anleihen zum Teil ein recht unterschiedliches Risikoprofil haben, sind sie generell doch risikoärmer als Aktien. Wieso? Nun, Aktien schwanken zum einen stärker im Wert und zum anderen ist man als Aktionär Eigenkapitalgeber. Im Falle einer Insolvenz eines Unternehmens werden also zuerst die Fremdkapitalgeber (Käufer von beispielsweise Unternehmensanleihen) aus der Insolvenzmasse bedient, bevor die Aktionäre zum Zuge kommen. Aber auch hier spiegelt sich das Prinzip „Keine Rendite ohne Risiko“ wider, da Aktien generell langfristig eine höhere Rendite erzielen als Anleihen. Die Wertentwicklung und somit auch der mögliche Gewinn bei einer Aktie ist nach oben hin unbegrenzt, während bei den meisten Anleihen der Zins bereits vorab festgelegt wird. Die Rendite ist daher vordefiniert und gedeckelt.

Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass im Umkehrschluss nicht gilt, dass mehr Risiko auch zwangsläufig zu einem höheren erwarteten Gewinn führt. Es gibt beispielsweise Wertpapiere, die einer sehr hohen Wertschwankung unterliegen, aber dennoch langfristig keine großen Kurssteigerungen erfahren. Letztlich besteht die Kunst des Anlegens in meinen Augen aus drei wesentlichen Punkten:

  1. Der Grad an Kursschwankungen (Risiko), den du persönlich tolerieren kannst.
  2. Das Verständnis, welche Art von Risiken das gewählte Anlageprodukt trägt.
  3. Das bewusste Eingehen von “sinnvollen” Risiken, also Risiken, die mit einer Risikoprämie entlohnt werden. 

Wie viel Risiko soll es nun sein?

Wir haben festgestellt, dass eine Geldanlage zum langfristigen Vermögensaufbau mit Risiko verbunden ist. Nachdem wir ziemlich abgeschweift sind, komme ich mal zur Ausgangsfrage des Artikels zurück: Die Festlegung der Risikotoleranz.

Du musst dir also überlegen, wie viel deines Vermögens in risikobehaftete Anlagen investiert werden und wie groß der risikofreie Anteil sein soll. Es gibt zwar „Daumenregeln“ wie beispielsweise, dass „100 Minus Lebensalter“ dem risikobehafteten Anteil entsprechen soll. Davon halte ich persönlich nicht viel, denn diese Festlegung ist eine sehr individuelle Sache. Was hilft es dir, wenn du 70% in Aktien investiert bist, aber kalte Füße bekommst und alle Anteile verkaufst, wenn die Kurse in einer Finanzkrise einbrechen?

Stelle dir stattdessen vor, dass du 100.000€ zur Verfügung und das komplette Vermögen in Aktien investiert hast. Wenn morgen plötzlich der worst case eintritt und mit einem großen Börsencrash deine Anlage um 50% einbricht, kommst du damit noch klar, dass deine Anlage zwischenzeitlich nur noch 50.000€ wert ist?

Wenn nein, musst du die Aufteilung anpassen. Denn wenn du stattdessen 50% in Aktien und 50% in ein Tagesgeldkonto investiert hättest, wäre in diesem gleichen Beispiel deine Anlage insgesamt noch 75.000€ wert gewesen, da der risikofreie Teil deine Gesamtanlage abfedert. Sei dir aber auch bewusst, dass du mit dieser risikoärmeren Ausrichtung langfristig eine niedrigere Rendite einfahren wirst als bei einem höheren Aktienanteil.

Spiel dieses Gedankenexperiment ruhig mehrmals durch und ermittle so deine persönliche Aufteilung. Falls du dir immer noch unsicher bist, kannst du als Neuling erstmal mit einem geringeren Aktienanteil einsteigen und sie später anpassen, wenn du mehr Erfahrung gesammelt hast.

Kurzum

  1. Die Festlegung der Risikotoleranz ist ein wichtiger erster Schritt bei der Geldanlage.
  2. Die prozentuale Aufteilung zwischen risikobehaftetem und risikofreiem Anteil ist höchst individuell und sollte sich nicht nach Daumenregeln richten.
  3. Es gibt keine Rendite ohne Risiko. Einen höheren erwarteten Gewinn kann man mit mehr Risiko erzielen, aber mehr Risiko bedeutet nicht zwangsläufig mehr Rendite.

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