Wie funktioniert ein Aktienindex? Ein Guide für Einsteiger.

Mit der passiven Anlagestrategie investiert man als Anleger über ETFs in einen Index. Ziel ist es, mit wenigen Produkten bereits eine sehr breite Streuung der Investition zu erreichen.

Als fleißiger Leser des Blogs wirst du dich nun in diesem Schritt vielleicht fragen: „Wie funktioniert ein Aktienindex genau?“ oder „Welche Indizes eignen sich für das passive Anlegen?“. Wie dir sicher aus meinen vorigen Beiträgen ist, wirst du von mir wie immer Denkanstöße und wichtige Hinweise zur Auswahl bekommen, aber keine pauschalen Empfehlungen – schließlich kannst nur du wissen, was wirklich zu dir passt.

Was ist nun ein Aktienindex?

Ein Aktienindex ist nichts anderes als eine Gruppe von börsennotierten Unternehmen. Je nach Index kann sich die Gruppe auf bestimmte Regionen, Länder oder spezielle Industrien beziehen.

Bleiben wir der Einfachheit halber einfach bei dem für uns bekanntesten Index: dem Deutschen Aktienindex (DAX). Er umfasst die Wertentwicklung der 30 größten börsennotierten Unternehmen. Maßgeblich für die Bestimmung der Größe ist hier die sogenannte Marktkapitalisierung, die wie folgt berechnet wird:

Kurswert x Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien des Unternehmens

Hat eine Aktiengesellschaft also beispielsweise 10 Millionen Aktien im Umlauf (auch bekannt als „ausstehende Aktien“) bei einem Aktienkurs von 12€, beträgt die Marktkapitalisierung folglich 120 Millionen Euro. Das Verständnis dieser Kenngröße ist nicht nur für den Index oder das passive Investieren fundamental, denn diese Zahl ist nämlich ein Indikator dafür, wie viel ein Unternehmen aus Marktsicht wert ist. Wie du bereits weißt, spiegelt der aktuelle Aktienkurs die Meinung und Erwartungen des Marktes wider. Folglich ist das Produkt aus dem Aktienkurs und allen sich im Umlauf befindlichen Aktien der Marktwert des Unternehmens.

Kommen wir aber zurück zum DAX: Die „Mitglieder“ sind also aktuell die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland nach Marktkapitalisierung. Dieses Kriterium gilt auch bei der Gewichtung des Mitgliedes. Das bedeutet, dass ein Unternehmen mit einer höheren Marktkapitalisierung auch eine höhere Gewichtung im Index erhält als ein Unternehmen mit einem niedrigeren Wert. Eine entsprechende Kursveränderung des Unternehmens mit der höheren Marktkapitalisierung hat demzufolge auch eine größere Auswirkung auf den Indexverlauf.

Es gibt zwar auch andere Kriterien für Gewichtung und Auswahl von einem Indexmitglied, jedoch sind diese für uns als Anleger in große, bekannte Indizes nicht relevant.

Welcher Index ist denn nun geeignet zum passiven Investieren? Und worauf muss ich achten?

Da wir beim passiven Investieren eine möglichst breite Streuung erzielen wollen, ist es ratsam, Indizes zu betrachten, die mehrere Länder/Regionen umfassen. Anbei ein paar Denkanstöße und Ideen von mir, welche interessant sein können:

1. Der Klassiker 2. Simpel 3. Für Detailverliebte
MSCI World
MSCI Emerging Markets
MSCI ACWI
(All-Country-World-Index)
MSCI North America
MSCI Pacific
MSCI Emerging Markets
Euro Stoxx 600

Wie unschwer zu erkennen ist, findet sich in meinen Vorschlägen oft das Kürzel „MSCI“. Das ist lediglich der Name eines amerikanischen Finanzdienstleisters, der diese Indizes herausgegeben hat. Genauso wie die Deutsche Börse AG ihre Kriterien für den DAX definiert hat, gibt es auch bei den MSCI-Indizes zugrundeliegende Prinzipien, nach welchen sie klassifiziert werden. Eine Übersicht über deren Indizes findest du hier.

Eine grobe Unterteilung findet bei MSCI nach Marktkapitalisierung statt: Es gibt sogenannte large, mid, und small cap, also Unternehmen mit hoher, mittlerer und niedriger Kapitalisierung. Wer sich für die genauen Grenzen und Klassifikationen interessiert, kann sie hier nachlesen.

Bei Variante 1 investierst du in große und mittlere Unternehmen von 23 Industriestaaten (MSCI World) und 26 Schwellenländern (MSCI Emerging Markets). Bei Variante 2 sind beide Indizes in einem vereint. Der Unterschied ist, dass du die Gewichtung dieser zwei Indizes bei Option 1 zueinander steuern kannst, während bei Varianten 2 alle Unternehmen von Industrie- und Schwellenländern in einen Topf geworfen und nach Marktkapitalisierung gewichtet werden. Da Unternehmen von Industriestaaten in der Regel eine viel höhere Bewertung und somit eine höhe Kapitalisierung haben, ist bei Variante 2 der Anteil von MSC Emerging Markets entsprechend gering.

Wer noch mehr Gewichtungsfreiheit haben möchte, kann sich bei Variante 3 einer Art „Regionen-Ansatz“ widmen und frei bestimmen, wie viel Prozent der monatlichen Investitionssumme in welchen Index fließt.

Das ist jetzt nur eine kleine Auswahl von möglichen Kombinationen und Indizes. Gerne kannst du weitere Varianten recherchieren und sie auch zukünftig erweitern. Denkbar ist beispielsweise die Hinzunahme von kleinen Unternehmen (Bei MSCI: „small cap“ Index). Wichtig ist, dass du dir bei der Auswahl der Indizes bewusst bist, dass eine höhere Anzahl nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer höheren erwarteten Rendite ist. Zudem solltest du beachten, dass mehrere Indizes nur dann sinnvoll sind, wenn deine monatliche Sparrate entsprechend hoch ist. Es macht also beispielsweise wenig Sinn, Variante 3 zu nehmen, wenn deine Investitionsrate „lediglich“ 100€ beträgt, zumal manche Broker eine Mindestrate von 50€ pro Index vorschreiben.

Darüber hinaus wirst du, wenn du tiefer in die Thematik einsteigst, öfters unterschiedliche Meinungen hören, ob das führende Index-Kriterium der Marktkapitalisierung eine geeignete Gewichtungsgröße ist, oder ob das zu einem Verzerrungseffekt führt. Da in den USA Aktiengesellschaften besonders beliebt sind und die Unternehmen im internationalen Vergleich eine hohe Bewertung haben, haben sie selbst in einem großen Index wie dem MSCI World eine relativ hohe Gewichtung. Das bedeutet, dass du automatisch relativ stark in den USA investiert bist. Einigen mag das aus Diversifikationssicht stören, allerdings gibt der Erfolg vieler amerikanischer Firmen ihnen Recht. Man denke hierbei an die FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google), die über viele Jahre hohe Renditen eingefahren haben. Falls dich der USA-Fokus stört, kannst du beispielsweise mit einer feineren Aufteilung der Indizes wie bei Variante 3 die Gewichtung selber bestimmen.

Das war jetzt zum Teil auch viel trockene Theorie, aber wie dir sicherlich bekannt ist, ist es mir sehr wichtig, dir auch die zugrundeliegenden Prinzipien der passiven Anlagestrategie zu vermitteln. Denn je mehr du dich mit dieser Thematik beschäftigst, desto mehr Meinungen, Ansätze und Kritiken werden dir begegnen. Und nur mit einem fundamentalen Verständnis der Mechanismen hinter Aktien und ETFs wirst du in der Lage sein, mitzudiskutieren und abzuwägen, inwiefern die Argumente für dich persönlich relevant sind oder nicht.

Falls du Fragen zu diesem Beitrag oder Anregungen für neue Artikel hast, melde dich gerne an desmond@finanzpate.net oder nutze die Kommentarfunktion unten.

Kurzum

  1. Ein Index ist eine Gruppe von Aktien. Die Kriterien für die Zugehörigkeit einer Aktiengesellschaft zu einem Index werden durch den Herausgeber bestimmt.
  2. Eine wesentliche Größe bei Indizes ist die Marktkapitalisierung.
  3. Als passiver Anleger solltest du bei der Auswahl der Indizes auf eine breite Streuung achten und die Höhe deiner Sparrate berücksichtigen.

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