Was treibt den Kurs einer Aktie? Teil II.

Corona, Unternehmenspleiten, US-Wahlen – dieses Jahr ist geprägt von Ereignissen, die zu turbulenten Bewegungen an allen Börsen weltweit geführt haben. Auf den rapiden Einbruch Anfang des Jahres folgte ein steiler Anstieg der Werte, die in nun mit den steigenden Coronazahlen wieder in Frage gestellt werden. Umso wichtiger ist es, ein klares Verständnis dieser Kursschwankungen zu haben, um in solchen Phasen nicht in Panik zu verfallen. Im ersten Teil dieses Artikels bin ich bereits darauf eingegangen, wie sich der Kurs einer Aktie bildet. Lass uns nun tiefer einsteigen und ergründen, wonach sich der Aktienkurs letztendlich richtet.

Die Unterscheidung zwischen der kurz- und langfristigen Sicht ist entscheidend.

In the short run, the market is a voting machine but in the long run it is a weighing machine.

Benjamin Graham

Dieses Zitat stammt von einer berühmten Person aus der Anlegergemeinde und fasst eigentlich sehr gut zusammen, welches grundlegende Verständnis man über Börsenmärkte haben sollte. Kurzfristig ist der Markt nämlich, wie Graham ihn beschreibt, eine “voting machine”, also ein Wahlgerät, das sinngemäß die aktuelle Stimmungslage der Anleger über ein Unternehmen wiedergibt. Typischerweise sind diese Stimmungslagen kurzfristiger Natur und beeinflussen den Kursverlauf auf Basis von Trends und Hypes um Unternehmen. Es können aber auch Faktoren eine Rolle spielen, die sich zumindest nicht direkt auf das Unternehmen beziehen. Im Rahmen der Corona-Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen haben alle Aktiengesellschaften weltweit große Kursverluste eingebüßt. Aktienkurse können sich also aufgrund von marktpsychologischen Faktoren blitzschnell ändern.

Was sich allerdings nicht so schnell ändert, ist der zugrundeliegende Wert des Unternehmens. Und darauf zielt nämlich der zweite Teil des Zitats ab: Der Markt verhält sich auf lange Sicht gesehen wie eine Waage, die unabhängig von psychologischen Treibern den “wahren”, substanziellen Wert des Unternehmens widerspiegelt. Dieser Wert lässt sich durch verschiedene Kennzahlen ermitteln, die im Grunde die Fähigkeit der Firma messen, Gewinne zu erwirtschaften. Denn eins ist klar: der Preis einer Aktie kann einem wilden Auf und Ab unterliegen, aber ein nachhaltiger (!) Anstieg des Kurses kann nur durch entsprechende Umsatz-, Gewinn- oder Cashflowsteigerungen gestützt werden. Andernfalls fällt der Kurs wieder.

Kauf nicht den Trend, sondern den Wert der Aktie.

Die Quintessenz dieses Artikels und des Zitats ist im Grunde, dass diese kurzfristigen Schwankungen nicht im Fokus der Anlage stehen sollen. Vielmehr ist es essentiell, die Fähigkeit des Unternehmens zu erkennen, zukünftig steigende Umsätze, Gewinne und/oder Cashflows zu erzielen. Denn nur so kann eine Aktiengesellschaft einen höheren Kurs rechtfertigen. An der Börse wird nämlich die Zukunft gehandelt. Der aktuelle Kurs gibt also die Gewinnerwartungen der Anleger an das betreffende Unternehmen an. Somit zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf, wie hoch diese Erwartungen sind. Je höher der Wert, desto höher muss das Gewinnwachstum der Firma sein.

Kurzum

  1. Kurzfristig unterliegt ein Aktienkurs marktpsychologischen Schwankungen.
  2. Langfristig bildet der Preis einer Aktie den zugrundeliegenden Wert des Unternehmens ab.
  3. Bei der klugen Anlage geht es nicht um Trends, sondern um die Fähigkeit des Unternehmen, Umsatz, Gewinn und/oder Cashflow zu steigern.

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