Warum Gold keine gute Anlage ist.

In Gesprächen zum Thema Geldanlage wird notwendigerweise früher oder später der Begriff “Gold” fallen. Egal ob zur langfristigen Anlage oder zur Krisenabsicherung, das Edelmetall scheint sich großer Beliebtheit zu erfreuen. Unabhängig von den Gründen, wieso Gold für eine ausgezeichnete Anlage gehalten wird, werde ich anhand verschiedener Motive erläutern, wieso es ausgerechnet diese Intentionen keinen guten Anlass darstellen, in Gold zu investieren.

“Gold ist eine attraktive Anlage mit sehr guten Renditen.”

Gold wird gemeinhin als gute Anlage empfunden und das sicher nicht zuletzt wegen der hohen Preise. Ein Gramm des Edelmetalls kostet aktuell 43,21€ (Stand: 14.09.2019). Da ist es naheliegend, in Gold zu investieren und auf zukünftige Kurssteigerungen zu hoffen.

Und das ist schon das erste Problem mit Anlagen in Gold bzw. Rohstoffen generell. Lass uns zur Veranschaulichung mal einen Blick darauf werfen, wie sich der Gewinn von Gold im Vergleich zu Investitionen in Immobilien und Aktien zusammensetzt:

Immobilie

Rendite = Wertsteigerung + Mieteinnahmen

Aktie

Rendite = Wertsteigerung + Dividenden

Gold

Rendite = Wertsteigerung

Während Immobilien und Aktien neben der Wertsteigerung an sich noch laufende Zahlungsströme in Form von Mieteinnahmen oder Dividenden generieren, die wiederangelegt und somit zum Zinseszinseffekt beitragen können, entfällt dieser Teil bei einer Anlage in Gold. Das Edelmetall erwirtschaftet schlichtweg keine Erträge. Bei einer entsprechenden Investition setzt du also lediglich darauf, dass die Nachfrage in Zukunft bei gleichbleibender/größerer Knappheit steigt. Eine Spekulation, die vor allem im Vergleich zu den anderen zwei Alternativen sehr fraglich ist, da die fehlenden Zahlungsströme erstmal durch eine signifikante Nachfragesteigerung oder Angebotsverknappung von Gold kompensiert werden muss. Das Edelmetall ist nunmal kein produktives Wirtschaftsgut. Der zugrundeliegende Wert basiert lediglich auf Angebot und Nachfrage, während Immobilien und Aktien einen wirtschaftlichen Nutzen stiften. Immobilien können vermietet werden und zusätzlich Zahlungen für den Anleger generieren. Eine Aktie ist ein Anteilsschein an einem Unternehmen, das Wertschöpfung betreibt und Gewinne erzielt.

Erschwerend kommt hinzu, dass vor allem die großen Zentralbanken Unmengen von Gold horten, die als Reserve für Krisenzeiten dienen und bei entsprechendem Bedarf auch als Zahlungsmittel eingesetzt werden können. Diese Reserven bergen allerdings ein unheimlich großes Kursrisiko, da die Zentralbanken theoretisch jederzeit den Goldmarkt überfluten können.

“Gold ist krisensicher. Im Falle eines globalen Wirtschaftsabschwunges kann ich bei Bedarf das Gold zu einem guten Preis verkaufen.”

Eine weitere verbreitete Annahme ist, dass Gold als krisensicher gilt. Wenn es an der Börse oder im Immobilienmarkt kracht, steigt der Goldpreis, da Anleger in “sichere” Anlagen flüchten wollen.

Die Vergangenheit hat oftmals gezeigt, dass das leider nicht so eingetroffen ist. Der Grund hierfür hängt mit dem obigen Punkt zusammen: In Krisenzeiten sind auch die Goldpreise gefallen, weil Anleger das Geld gebraucht haben, das sie in anderen Anlagen verloren hatten. Zudem führt die Tatsache, dass viele Goldinvestoren das Edelmetall für Krisen gekauft haben, zum gegenteiligen Effekt, da viele der Anleger genau zu dieser Zeit das Gold wieder verkaufen wollen. Das erhöhte Goldangebot im Markt bei entsprechend geringer Nachfrage hatte fallende Kurse zur Folge.

Der Verlauf des Goldkurses verdeutlicht dies:

Quelle: https://www.finanzen.net/rohstoffe/goldpreis/chart (Stand: 14.09.2019)

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase (1.) sind zur gleichen Zeit die Aktienkurse in den Keller gerauscht, während der Goldkurs zumindest noch einigermaßen stabil geblieben ist. Ein Anstieg ist allerdings nicht zu erkennen.

Bei der darauffolgenden Finanzkrise 2008 (2.) hat sich beim Goldkurs genau der eben beschriebene Effekt abgezeichnet: Mit dem Ausbruch der Krise sind auch die Preise für das Edelmetall eingebrochen, da genau in dieser Zeit das Angebot deutlich angestiegen ist. Erst bei der weiteren Erholung des Aktienmarktes, sind positive Verläufe beim Goldpreis zu erkennen.

Soll man also gar kein Gold kaufen?

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, dass Gold als eine gute langfristige Anlage oder krisensicher gilt, ist das Edelmetall in der Realität leider genau für diese Zwecke ungeeignet. Dennoch kann gibt es meiner Meinung nach zwei Gründe geben, wieso man Gold kaufen kann:

  1. Für kurzfristige Spekulationen von Angebots- und Nachfrageschwankungen, mit der du durch geschicktes An- und Verkaufen einen Gewinn erzielst. In diesem Fall wäre es aber weniger angebracht, reales, physisches Gold zu kaufen. Es gibt bestimmte Wertpapiere, mit denen man auf steigende oder fallenden Rohstoffkurse setzen kann.
  2. Du glaubst an den vollständigen Kollaps des etablierten Finanz- und Währungssystems und willst für diesen apokalyptischen Fall vorsorgen, indem du für solche Zeiten Gold als Tauschmittel besitzt.

Die Einschätzung, inwiefern diese zwei Fälle für dich relevant sind, überlasse ich dir.

Der eine Grund, warum Gold als anteiliges Investment in ein langfristig orientiertes Portfolio gehört.

Bisher wurden mit Ausnahme des allerersten Punktes lediglich kurzfristige bzw. zyklische Anlässe für Investitionen in Gold betrachtet. Für eine langfristig orientierte Anlage kann Gold als kleine Beimischung zu einem Portfolio sinnvoll sein, wenn man die Schwankungen des Gesamtportfolios (und damit meine ich deine vollständige Vermögensallokation) absenken möchte. Aus der Sicht der Risikostreuung über verschiedene Vermögensklassen hinweg, trägt eine zusätzliche Investition in Gold dazu bei, dass deine Anlage über längere Zeiträume stabiler von der Wertentwicklung verläuft, wenn auch dadurch tendenziell die erwartete Gesamtrendite fällt, was mit dem ersten Punkt zusammenhängt.

Kurzum

  1. Gold erwirtschaftet im Gegensatz zu Immobilien und Aktien keine laufenden Erträge. Der potentielle Gewinn basiert lediglich auf zukünftigen Nachfragesteigerungen bei gleichbleibendem oder sinkendem Angebot.
  2. Der Goldkurs ist in der Vergangenheit in Krisenzeiten oft gefallen und somit nicht zwangsläufig krisensicher.
  3. Gold kann in einem langfristig orientierten Portfolio als Beimischung zur Senkung der Wertschwankungen deiner Anlage beitragen.

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