In wenigen Minuten eine Quintessenz der Denkweise von Ökonomen verstehen.

Ist das gut oder schlecht? Auf diese häufig gestellte Frage bin ich bereits in einem alten Beitrag eingegangen. Wie so oft auf meinem Blog predige ich immer wieder, wie wichtig ein informierter Vergleich von Alternativen für die Bewertung der Attraktivität einer Anlage ist.

Heute möchte ich näher darauf eingehen und euch eine grundlegende Entscheidungstheorie im BWL- oder VWL-Studium vorstellen.

Es wird theoretisch und mit sehr einfachen Annahmen gearbeitet, aber ich möchte vor allem den Fachfremden zeigen, wie Wirtschaftswissenschaftler solche Entscheidungsprobleme angehen und wie zumindest der zugrundeliegende Gedanke dir in der Praxis helfen kann.

Opportuni… Was??

Opportunitätskosten. Dieser sperrige Begriff ist tatsächlich eines der wesentlichen Grundprinzipien, auf die ein BWL- bzw. VWL-Studium fußt, und nicht zuletzt wegen der Wortwahl auch etwas irreführend. Denn anders als üblich, handelt es sich bei dieser Art von Kosten nicht um welche, die beispielsweise für die Herstellung von irgendeinem Produkt entstehen. Es geht also nicht um einen kostenmäßigen Betrag, den man für etwas aufwenden muss.

Vielmehr stellen Opportunitätskosten den entgangenen Gewinn der bestmöglichen Handlungsalternative dar. Sie entstehen also dadurch, dass du beispielsweise dein erspartes Geld nicht in voller Höhe zwei Zwecken zuordnen kannst. Es ist also (logischerweise) nicht möglich, den kompletten Betrag für einen Wohnungskauf aufzuwenden und gleichzeitig das Geld in Aktienfonds zu investieren.

Lass uns das Ganze mal anhand eines sehr einfachen Modells zur Veranschaulichung durchgehen:

Stelle dir vor, du hast gerade genug Kapital da, um direkt eine Eigentumswohnungs als Geldanlage zu erwerben. In 3 Jahren soll sie wieder gewinnbringend verkauft werden. Nehmen wir zudem in diesem Beispiel als starke Vereinfachung an, dass nur diese zwei Objekte zur Verfügung stehen:

Wohnung 1
Kaufpreis 100.000€
Erwarteter Wiederverkaufswert in 3 Jahren: 115.000€

Wohnung 2
Kaufpreis 100.000€
Erwarteter Wiederverkaufswert in 3 Jahren: 109.000€

Abgesehen von jeglichem Realitätsbezug (und Mieteinnahmen) bedeutet eine Entscheidung für Wohnung 1, dass dir Opportunitätskosten von 9.000€ entstehen, da in diesem Fall nur zwei Optionen zur Verfügung stehen und die beste Alternative die zweite Wohnung ist. Der entgangene Gewinn beträgt also 9.000€, da du dich gegen diese Option entschieden hast.

Und was bedeutet das nun für mich in der Praxis?

Ok, das war zugegebenermaßen ein sehr vereinfachtes Modell. Es geht mir in diesem Artikel aber auch nicht darum, dass du zukünftig den Begriff “Opportunitätskosten” verwendest, sondern darum, dass du die Quintessenz dahinter verstehst:

Jegliche Investitionsentscheidung, die du triffst, ist nur so gut wie die beste Alternative, die dir zur Verfügung steht.

Und das bezogen auf allen möglichen Anlageentscheidungen, die dir zukünftig begegnen werden. Egal ob du dir überlegst, ob dein Geld in Aktie X oder Immobilie Y anlegen sollst, du musst dich immer fragen, welche andere Investition die beste Alternative darstellt und anhand eines Vergleiches die Attraktivität einer Anlage bewerten.

Kurzum

  1. Opportunitätskosten stellen den entgangenen Gewinn der besten Handlungsalternative dar.
  2. Jegliche Investitionsentscheidung ist nur so gut wie die beste Alternative, die dir zur Verfügung steht.

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