Geldanlage und Risiko – das klassische Dilemma des Anlegers

Die Begriffe Risiko und Wertschwankungen sind dir als fleißiger Leser des Blogs sicherlich schon gut bekannt. Was ich in diesen Beiträgen schon diskutiert habe, möchte ich heute nochmal vertieft betrachten. Schließlich ist das eines der Hauptgründe, wieso Viele zu Unrecht vor einer Investition in Aktien zurückschrecken. Umso wichtiger ist es, das Risiko dahinter vollständig zu verstehen.

Die Kursschwankungen hinter einer riskanten Anlage wie einer Aktieninvestition sind sicherlich keine Eigenschaft, die man sich wünscht. Gleichzeitig haben wir in diesem Artikel erkannt, dass eine breite Streuung (Diversifikation) der Anlage die Schwankungen merklich reduzieren kann. Im Vergleich zu einer Einzelanlage in die Volkswagen-Aktie hat man beispielsweise historisch über längere Zeiträume mit einem breiten Welt-Index niedrigere Schwankungen hinnehmen müssen. Doch wie genau funktioniert die Diversifikation? Und warum ist es wichtig, immer den Blick auf den Gesamtwert einer Anlage zu behalten?

Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, lasst uns doch mit einem einfachen Beispiel beginnen: Stell dir vor, du hast genau 1.000€ zur Verfügung und entscheidest dich, das komplette Geld in eine beispielhafte „Aktie A“ zu investieren.

Eigene Darstellung

Kurze Zeit später wird allerdings bekannt, dass das Unternehmen A in einem großen Skandal verwickelt ist. Der Kurs bricht um 50% ein. Der Gesamtwert deiner Anlage beträgt nun nur noch 500€.

Hättest du dich zuvor allerdings anders entschieden und das Geld stattdessen jeweils zur Hälfte in Aktie A und in Aktie B investiert, würde das wie folgt aussehen:

Eigene Darstellung

In diesem Falle hätten mit dem Kurseinbruch von Aktie A die Anteile zwar ebenfalls 50% an Wert eingebüßt, dein Gesamtvermögen wäre aber lediglich auf 750€ geschrumpft (unter Annahme, dass der Kurs der Aktie B sich nicht verändert hat). Du hast also bei gleicher Investitionssumme eine niedrige Gesamtschwankung, da du das Geld gestreut hast.

Bei diesem Beispiel würde sich die Auswirkung des Kurseinbruches einer Aktie weniger auf deine gesamte Anlage auswirken, je breiter du investierst. Der Grund hierfür ist, dass du mit einer Diversifikation das unternehmensspezifische Risiko (auch: unsystematisches Risiko) senkst. Indem du deine Anlage aufteilst, machst du dein Portfolio unabhängiger von individuellen Fehlern von Unternehmen wie falsche Managemententscheidungen oder riskante/illegale Aktivitäten.

Grafisch dargestellt kannst du dir das so vorstellen:

http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/systematisches-risiko/systematisches-risiko.htm
http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/unsystematisches-risiko/unsystematisches-risiko.htm

Auf der y-Achse ist die Schwankungsintensität deines Portfolios. Je höher die Schwankung ist, desto weiter oben auf der Achse befindet sich die Anlage. Auf der x-Achse ist die Anzahl der Wertpapiere. Je mehr Wertpapiere im Portfolio sind, desto weiter rechts auf der Achse befindet sich die Anlage. Das systematische Risiko bezeichnet das allgemeine Marktrisiko, also Risiken, die generell die gesamte Wirtschaft betreffen. Beispielhaft können das globalpolitische Ereignisse sein wie Handelskriege zwischen mehreren Nationen. In diesem Fall wären Unternehmen verschiedener Branchen betroffen. Der entsprechende Kursrückgang wäre also auf etwas zurückzuführen, das nicht wirklich durch unternehmensspezifische Entscheidungen beeinflussbar ist. Dieser Bereich ist in der Grafik durch die gestrichelte Linie dargestellt.

Nun, was können wir aus der Kurve lesen? Zum einen fällt das Risiko und die entsprechenden Kursschwankungen, je mehr Wertpapiere wir im Portfolio haben – analog zum eingangs besprochenen Beispiel. Zum anderen können wir allerdings das Marktrisiko nicht durch Streuung senken, da diese Risiken und Schwankungen eben den allgemeinen Markt betreffen und nicht spezifische Unternehmen. Gleichzeitig ist das auch die Risikoprämie bzw. die Rendite, die man als passiver Anleger anstrebt. Indem passive Investoren mit ETFs in große, globale Indizes anlegen, erreichen sie eine sehr hohe Diversifikation, sind also in viele verschiedene Unternehmen investiert und befinden sich „ganz rechts“ auf der Kurve: Sie tragen die Marktrisiken und entsprechend auch die Rendite der Weltwirtschaft.

Aktive Anleger hingegen tragen ein höheres Risiko, da sie spezielle Unternehmen heraussuchen, in die sie investieren. Sie haben also eine niedrigere Diversifikation und höhere Kursschwankungen, bekommen im Gegenzug aber die Chance auf Gewinne, die höher sind als die Marktrendite.

Letztlich ist das Risiko wie eingangs erwähnt kein erstrebenswerter Teil einer Anlage. Nichtsdestotrotz gibt es mit der Diversifikation Möglichkeiten, dieses zu senken und zur eigenen Risikotoleranz anzupassen.

Kurzum

  1. Es gibt unternehmensspezifische Risiken und das allgemeine Marktrisiko.
  2. Durch eine breite Streuung kann ein Anleger das unternehmensspezifische Risiko senken.
  3. Egal welche Strategie du verfolgst: Die Schwankungen einer Anlage müssen unter Berücksichtigung der Gesamtinvestition betrachtet werden.

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