Einmal Nachhaltigkeit bitte!

Nachhaltigkeit – ein Begriff, der im Zuge des Klimawandels und der bewussteren Lebensweise heutzutage deutlich an Relevanz gewonnen hat. Auch beim Thema Geldanlage scheint dieser Trend angekommen zu sein. Viele Anlageformen werben inzwischen mit sogenannten ESG-Kriterien oder damit, besonders nachhaltig zu sein. Doch was bedeutet das konkret, wenn ein Fonds beispielsweise nachhaltig ist? Und welche entscheidenden Unterschiede gilt es zu berücksichtigen? Werfen wir doch mal in diesem Beitrag einen Blick auf zwei konkrete Möglichkeiten, wie du nachhaltig investieren kannst.

Was ist Nachhaltigkeit beim Investieren?

Wie eingangs erwähnt, werben viele Fonds mit den “ESG-Kriterien”. Dahinter verbergen sich die Begriffe Environmental, Social und Governance. Gemeinhin versteht man darunter, dass unternehmerisches Handeln mit sozialen und ökologischen Belangen vereinbar sein sollte. Idealerweise berücksichtigt ein solches Unternehmen daher nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch Themen wie Umweltschutz und ethische Vertretbarkeit auf Manager- und Mitarbeiterebene. 

Möglichkeit 1: Ein nachhaltiger ETF

Mit dem Trend zum passiven Investieren über ETFs ist auch das Angebot an ESG-ETFs stark gewachsen. Ein ETF mit dem ESG-Kürzel ist im Grunde ein nachhaltiger ETF. Es handelt sich also dabei um einen börsengehandelten Indexfonds, der einen Index abbildet, der nachhaltige Aspekte berücksichtigt. Wie bei einem handelsüblichen ETF auch, bestimmt also nicht der Fonds die Zusammensetzung, sondern der Indexherausgeber. Hier kannst du die ESG-Faktoren der bekannten und vielfach zitierten MSCI-Indizes nachlesen.

Ein klarer Vorteil dieser Variante ist die vergleichsweise sehr günstige Kostenstruktur bei ETFs. Da die Anteile in großer Anzahl an Börsen gehandelt werden, bekommst du als Anleger immer faire Kurse, da die Spreads gering sind.

Exkurs: Der Spread bezieht sich auf den Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs pro Aktie, der dir an einer Börse gestellt wird. Je größer dieser Unterschied ist, desto höher ist auch die Gebühr, die du je Anteil zahlst. In Extremfällen kann sich der Spread als große versteckte Kostenposition beim Wertpapierhandel herausstellen. Wenn der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs beispielsweise 1€ beträgt, fällt diese versteckte Gebühr pro Anteilsschein an. Da der Spread sich je nach Aktie und Handelsplatz unterscheiden kann, merke dir erstmal als einfache Daumenregel: Je höher das Handelsvolumen (viele Käufer und Verkäufer) an der Börse ist, desto geringer ist in der Regel der Spread und desto günstiger ist es für dich, die Anteile zu erwerben. Falls du Interesse an einem weitergehenden Artikel zu diesem Thema hast, schreib mir gerne eine Nachricht oder kommentiere diesen Artikel.

Zudem haben börsengehandelte Indexfonds eine sehr niedrige jährliche Gebühr, da sich die Verwaltungskosten durch die standardisierte Ausrichtung nach den Titeln eines Indexherausgebers sehr in Grenzen halten.

Ein weiterer Vorteil bei solch einer Anlagestrategie ist der geringe Zeitaufwand. Bis auf die Suche nach einem geeigneten ETF und die Einstellung eines Sparplans musst du als passiver Anleger nicht viel machen. Diese Vorteile können sich allerdings beim Thema nachhaltige Geldanlage auch als Nachteil herausstellen. Denn ETFs sind genau wegen dieser Kostenvorteile standardisierte Produkte, die es Anlegern nicht erlauben, bei der Titelauswahl mitzureden. Da die ESG-Kriterien durch den Indexherausgeber bestimmt werden und der ETF diesem Aktienkorb folgt, können sich in der Anlage auch Unternehmen befinden, von denen du nichts hältst.

Wenn du zudem einen Blick auf die Zusammensetzung eines klassischen ESG-Welt-ETF wirfst, wirst du feststellen, dass viele Positionen den Aktienwerten eines “normalen” nicht-ESG-ETFs gleichen. Anders gesagt wird durch diesen standardisierten Ansatz eine Art Filter durch den normalen Welt-ETF gelegt, der beispielsweise kritische Firmen aus der Rüstungsindustrie aus dem Aktienkorb entfernt. Je nach Moralvorstellungen kann das für dich als Anleger ausreichend sein oder nicht. Wer besonders hohe soziale und ökologische Ansprüche hat, wird bei so einem ESG-ETF kürzer treten müssen. Es ist schlichtweg durch diesen Gießkannen-Ansatz eines Indexfonds nicht möglich, jede einzelne Firma intensiv und kritisch darauf zu überprüfen, ob sie beispielsweise wirklich an allen Standorten weltweit für gerechte Arbeitsbedingungen sorgt.

Vor- und Nachteile eines nachhaltigen ETF.
Quelle: Eigene Darstellung

Möglichkeit 2: Ein nachhaltiger Investmentfonds

Wer fleißig meine Artikel gelesen hat, wird sich vielleicht noch erinnern, dass ich normalerweise nicht viel von aktiven Fonds halte. Falls du dich nicht genau erinnerst, wo der Unterschied zwischen diesen zwei Anlageformen ist, solltest du diesen und diesen Artikel nochmal durchlesen. Kurz gesagt ist die Krux bei solchen aktiven Fonds die hohe Verwaltungsgebühr von üblicherweise mehr als 1% pro Jahr. Ein ETF kostet pro Jahr nur ein Viertel davon oder häufig noch weniger. Hinzu kommt, dass es diesen Fondsmanagern, die für die hohen Verwaltungskosten sorgen, oftmals nicht gelingt, eine höhere Rendite zu erzielen, als ein vergleichbarer Index.

In diesem speziellen Fall für nachhaltige Geldanlage ist die Anwesenheit von Fondsmanagern hingegen aus meiner Sicht vorteilhaft. Die hohen laufenden Kosten bestehen weiterhin, allerdings erlaubt das professionelle Fondsmanagement auch die gezieltere Prüfung von Einzelunternehmen, bevor sie in den Anlagepool kommen. Schau dir als Beispiel diesen nachhaltigen Investmentfonds an (Keine Anlageempfehlung, nur Veranschaulichung). Bevor eine Aktie in den Anlagepool kommt, wird zuerst das Unternehmen nach verschiedenen nachhaltigen Kriterien von einem Ausschuss aus interdisziplinären Mitgliedern bewertet. Erst wenn ein Unternehmen diesen Prüfungen standgehalten hat, kommen ökonomische Betrachtungen ins Spiel, die letztlich dann zu einer Anlage führen oder nicht. Es entstehen zwar wie bei einem “klassischen” aktiven Fonds höhere Verwaltungsgebühren, diese werden aber aus meiner Sicht sinnvoller eingesetzt, weil dadurch ein viel strengeres Niveau an Nachhaltigkeit erzielt werden kann. Ein weiterer Vorteil ist auch hier der geringe Zeitaufwand, da außer den Käufen der Anteile keine weiteren großen Aktivitäten erforderlich sind.

Auf der anderen Seite solltest du auf jeden Fall beachten, dass neben den hohen laufenden Kosten auch die relativ teuren Gebühren für den Erwerb von Fondsanteilen schwer wiegen. Durch das geringe Handelsvolumen solcher Anteilsscheine ist der Spread oftmals sehr hoch. Das solltest du bei der Auswahl eines nachhaltigen Investmentfonds definitiv beachten und verschiedene Fonds vergleichen. Wenn du außerbörslich die Anteile erwirbst, zahlst du entweder eine Zusatzgebühr, die sich Ausgabeaufschlag schimpft, oder du läufst Gefahr, einen zu hohen Preis zu zahlen, da die Preisbildung außerbörslich nicht transparent ist.

Vor- und Nachteile eines nachhaltigen Investmentfonds.
Quelle: Eigene Darstellung

Und nun?

Wie du siehst, gibt es beim Thema Geldanlage nie einen richtigen Weg, der für alle gilt. Egal wofür du dich entscheidest, es wird immer Vor- und Nachteile geben. Es kommt also völlig darauf an, welche Faktoren dir persönlich wichtiger sind.

Natürlich gibt es noch andere Wege, wie du nachhaltig investieren kannst. Dazu zählt auch, dass du dir dein eigenes Portfolio aus Einzelaktien zusammenstellst. Du hast zwar einen deutlich höheren Aufwand bei der Auswahl und laufenden Überwachung der Aktien, kannst aber im Gegenzug zu 100% kontrollieren, welches Unternehmen in dein Portfolio kommt.

Kurzum

  1. Es gibt verschiedene nachhaltige Anlagemöglichkeiten. Darunter fallen ESG-ETFs und nachhaltige Investmentfonds.
  2. Je nachdem, welche Moral- und Nachhaltigkeitsvorstellungen du mitbringst, kann ein kostengünstiger ETF oder ein aktiver Fonds mit strenger Unternehmensprüfung vorteilhafter sein.
  3. Wer den Aufwand nicht scheut, stellt sich ein eigenes Portfolio aus Einzelaktien zusammen.

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