Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum passiven Investieren.

Wir haben uns in den letzten Wochen ausgiebig mit einigen grundlegenden Themen rund um die Geldanlage auseinandergesetzt. Du hast von der Risikotoleranz über den Anlagehorizont bis hin zu verschiedenen Anlageprodukten einiges kennengelernt und hast nun das nötige Grundwissen, um dich endlich dem Thema Geldanlage zu widmen.
Dieser Artikel soll dir eben genau diesen Fahrplan geben – und das zugeschnitten auf das passive Investieren. Wie bereits in einem älteren Beitrag erläutert, eignet sich diese Methode besonders für Leute, die sich nach der Strategiefestlegung zu Beginn im weiteren Verlauf nicht mehr viel mit der Anlage beschäftigen wollen. Bevor ich dir wieder in der Theorie die ganzen Vorteile erläutere, lass uns einfach mal einsteigen. Der Rest wird dir im Laufe des Artikels klar werden.
Da sich die Schritte auf viele ältere Beiträge beziehen, werde ich sie dir auch nochmal verlinken. Den vierten Schritt mit der ETF-Suche werde ich separat abdecken; sonst wird das zu viel heute 😉

Wie gehe ich nun vor?

Um es kurz und knapp zu halten schlage ich folgende Schritte vor:

  1. Anlagehorizont festlegen
  2. Risikotoleranz und Vermögensallokation definieren
  3. Indexstrategie aussuchen
  4. ETF suchen und Sparplan abschließen
  5. Abwarten und laufen lassen 🙂

Das ist sicherlich nicht DIE Anleitung schlechthin, aber die Abfolge hat sich in meiner Erfahrung in Gesprächen mit Kollegen und Freunden bewährt.

1. Anlagehorizont festlegen

Da du mit der Anlage unter anderem bzw. vor allem auch in Aktien investieren wirst, ist der Anlagehorizont ausschlaggebend. Die Rendite in allen Anlageprodukten ist schließlich nichts anderes als die Belohnung für das eingegangene Risiko. Neben der Risikostreuung ist auch der Anlagehorizont ein wichtiger Faktor. Je kürzer und spezifischer der Zeitraum ist, auf den du deine Anlage beschränkst, desto spekulativer und riskanter ist deine Investition. Warum? Nun, je kürzer der gewählte Zeitraum ist, desto weniger Zeit bleibt dir im Falle eines Bösencrashes. Die Kurse werden sich zwar langfristig erholen, aber wenn du kurz danach auf das Geld angewiesen bist, wirst du womöglich gezwungen sein, mit Verlusten zu verkaufen. Daher empfehle ich keinem, der nur wenige Jahre auf das Geld verzichten kann, einen größeren Aktienanteil (sagen wir mal mehr als 40%) im zweiten Schritt auf sich zu nehmen.

Generell kann man als Daumenregel für einen höheren risikobehafteten Anteil annehmen, dass der Anlagehorizont mindestens zehn Jahre betragen sollte. Je länger der Zeitraum ist, desto weniger kommen die Wertschwankungen der Weltwirtschaft zum Tragen und desto mehr kannst du vom langfristigen Wachstum profitieren.

2. Risikotoleranz und Vermögensallokation definieren

Wie ich in diesem Artikel erläutert habe, ist die Risikotoleranz eine ganz individuelle Sache. In meinem Modell für Anlegerneulinge schlage ich eine einfache Aufteilung vor: risikofreier Anteil (Tagesgeldkonto bis 100.000€) und risikobehafteter Anteil (Investition in Aktien über ETFs). Wenn du dir unsicher bist, steige erstmal ruhig mit einem geringeren Aktienanteil ein, den du im weiteren Verlauf jederzeit erhöhen kannst. Wir sind uns zudem beide natürlich bewusst, dass der Anteil im Tagesgeldkonto die Inflation meist nicht ausgleichen wird und somit real an Wert verlieren wird. Der Zweck des risikofreien Anteil ist allerdings, Stabilität in deine Gesamtanlage zu bringen und die Kursschwankungen der Aktien auszugleichen, wenn für dich die 100%-Aktienstrategie nicht in Frage kommt.

3. Indexstrategie aussuchen

Wie du aus meinem alten Beitrag sicherlich weißt, geht es beim passiven Investieren darum, möglichst kostengünstig und breit gestreut anzulegen. Bei dieser Anlagephilosophie erreichst du das über sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), also börsengehandelten Indexfonds. Das bedeutet nichts anderes als in einen Index wie dem DAX, also einer Gruppe von Aktien zu investieren. Anstatt eine breite Streuung durch die gezielte Auswahl und Beobachtung von vielen einzelnen Aktien zu erreichen, legen passives Investoren ihr Geld in ganze Indizes an. Es geht also nicht darum, die Nadel im Heuhaufen zu finden, sondern einfach den ganzen Heuhaufen zu kaufen 😉

In diesem Schritt stellt sich folglich die Frage, in welche Indizes du investieren sollst? Für eine weltweite Streuung könnte dir zuerst in den Sinn kommen, die nationalen Indizes nacheinander zu kaufen: ETF auf den DAX für Deutschland, ETF auf den S&P500 für die USA, usw.

Das Problem wird dann aber schnell klar: Es sind einfach zu viele. Um mit wenigen ETFs eine sehr hohe weltweite Streuung zu erreichen, müssen wir den Blick auf große, internationale Indizes werfen, die vielleicht nicht so bekannt sind:

  • MSCI World (enthält über 1.600 börsennotierte Unternehmen von 23 Industriestaaten)
  • MSCI Emerging Markets (enthält über 1.100 börsennotierte Unternehmen von 24 Schwellenländern)
  • MSCI ACWI (enthält die zwei genannten Indizes in einem, Aufteilung aktuell etwa 90% MSCI World und 10% MSCI Emerging Markets)

Ich habe jetzt bewusst auf eine Auflistung aller erdenklichen Indizes verzichtet, um dich jetzt nicht vor eine große Entscheidung zu stellen. Die hier gezeigten sind in der Welt der passiven Investoren sehr beliebt. Du kannst gerne nach weiteren Indizes recherchieren. Bei Rückfragen kannst du den Artikel gerne kommentieren. Ich werde in einem zukünftigen Beitrag auch erläutern, wie sich ein Index zusammensetzt und welche Werte in welcher Gewichtung eingehen.

Um zum eigentlichen Punkt bei diesem Schritt zurückzukommen: Du musst festlegen, in welche Indizes in welchem Verhältnis du innerhalb deines risikobehafteten Anteils (im zweiten Schritt definiert) investieren möchtest. Ein Faktor hierbei ist auch deine Sparrate. Wenn du monatlich beispielsweise weniger als 200€ in ETFs investieren möchtest, macht es wenig Sinn vier ETFs gleichzeitig zu besparen.

Um es in diesem Artikel erstmal möglichst einfach zu halten, anbei meine Vorschläge für Anfänger als Denkanstoß:

  • Bei weniger als 100€ monatlich die simple Ein-Fonds-Strategie: MSCI ACWI
  • Bei bis zu 300€: 70-80% MSCI World und 20-30% MSCI Emerging Markets

Mit diesen zwei Vorschlägen hast du jeweils bereits etwa 80% der weltweiten Marktkapitalisierung abgedeckt. Es gibt theoretisch noch viele weitere Ansätze wie eine feinere Aufteilung nach Kontinenten und Regionen der Welt, um die Gewichtung zueinander steuern zu können. Da ich dich wie gesagt am Anfang nicht zu sehr mit allen möglichen Varianten und Optionen verwirren möchte, will ich es erstmal bei diesen zwei Ideen belassen. Ich werde in Zukunft dieses Thema vertiefen.

4. ETF suchen und Sparplan abschließen

Nachdem du festgelegt hast, wie groß dein risikobehafteter Anteil an deinem Vermögen sein soll und in welche Indizes du investieren willst, musst du in diesem Schritt nur noch den passenden ETF heraussuchen. Um Verwechslungen zu vermeiden: Ein Index stellt lediglich eine Gruppe von Aktien da; ein ETF ist ein Anlageprodukt, das es dir ermöglicht, in einen Index zu investieren.

Vor allem bei bekannten Indizes gibt es viele verschieden ETFs, die sich in gewissen Eigenschaften unterscheiden. Diese haben Auswirkungen auf das produktspezifische Risiko und steuerliche Konsequenzen. Wie die Suche genau abläuft und welche Faktoren du berücksichtigen musst, werde ich im nächsten Artikel erläutern. Ziel dieses Artikels ist es erstmal den Fahrplan aufzuzeigen 😉

Nachdem du die passenden ETFs herausgesucht hast, musst du nur noch einen sogenannten Sparplan bei deiner Bank einrichten. Ein Sparplan ist nichts anderes als eine regelmäßige Einzahlung in die ETFs, die du flexibel steuern kannst: Du kannst sowohl die Frequenz (monatlich, quartalsweise, etc.) als auch die Höhe des Betrages jederzeit anpassen. Aus Kostengründen empfehle ich dir, das bei einer Direktbank (Bank ohne Filialnetz wie DKB oder comdirect) zu machen, da sie in vielerlei Hinsicht deutlich günstigere Konditionen haben.

5. Abwarten und laufen lassen

Jetzt kommt der wohl angenehmste Teil des passiven Investierens: Einfach warten und die Sparpläne laufen lassen. Nach den obigen Schritten, die du am Anfang machen musst, hast du nun ein breit gestreutes Portfolio und kannst dich zurücklehnen. Wie gesagt, beim passiven Investieren geht es darum, kostengünstig und breit gestreut anzulegen. Du musst dir keine Gedanken über länder-, industrie- oder unternehmensspezifischen Risiken machen, da du auf die langfristige Entwicklung der Weltwirtschaft setzt.
Natürlich gibt es im weiteren Verlauf kleinere Tätigkeiten, die anfallen wie die Überprüfung der Vermögensallokation. Wenn beispielsweise dein Aktienanteil hohe Kurssteigerungen eingefahren hat, kann deine in Schritt 2 festgelegte Aufteilung zwischen risikofreiem und risikobehaftetem Anteil nicht mehr stimmen, die du durch An- oder Verkauf anpassen musst. Das sind allerdings Sachen, die erst in größeren Intervallen anfallen. Ich persönlich empfehle eine jährliche Überprüfung.

Kurzum

  1. Das passive Investieren eignet sich vor allem für Leute, die einen langen Anlagehorizont (>10 Jahre) haben und nach der Arbeit zu Beginn der Anlage im weiteren Verlauf keinen großen Aufwand betreiben wollen.
  2. Die Anleitung zeigt einen ersten groben Fahrplan auf – einige Aspekte und Möglichkeiten werde ich in weiteren Beiträge vertieft erläutern.
  3. Bei Fragen kannst du gerne diesen Artikel kommentieren 🙂

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