Eigenkapital und Fremdkapital – Was ist der Unterschied?

Zugegeben, in der Finanzwelt gibt es unnötig komplizierte Begriffe für vergleichsweise einfache Sachverhalte: Kapitalerhöhung, Asset Stripping, Total Return Swap, usw. Vor allem wenn man weder beruflich noch vom Studium her etwas mit wirtschaftlichen Themen zu tun hat, kann man vermutlich nicht viel mit diesen Wörtern anfangen.

Diesen Artikel widme ich daher ganz dem Eigen- und Fremdkapital – Begriffe, die dir sicherlich schon häufiger begegnet und vielleicht sogar vom Immobilienkauf bekannt sind. Dennoch herrscht vor allem in Bezug auf die Finanzwelt bei diesen Ausdrücken eine gewisse Unkenntnis. Was ist denn der Unterschied zwischen Eigen- und Fremdkapital bei einer Aktiengesellschaft? Und wie kann ich als Privatanleger daran partizipieren?

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung meines Artikels „Wie viel Risiko darf es sein?“. Wie immer gehe ich davon aus, dass du auf dem aktuellen Stand bist 😉

Was ist nun das Eigen- und Fremdkapital eines Unternehmens?

Ganz einfach gesagt ist das Eigenkapital das Geld, das den Eigentümern einer Aktiengesellschaft gehört. Es stellt die Substanz des Unternehmens dar. Die Schulden einer Firma werden durch das Fremdkapital dargestellt.

Lass uns das Ganze doch anhand eines Beispiels betrachten: Wenn ein börsennotiertes Unternehmen Bedarf an Kapital für eine Investition in ein zukunftsträchtiges Projekt hat und sie nicht aus eigenen Mitteln wie aus den Erträgen des laufenden Geschäftes finanzieren kann, hat sie zwei maßgebliche Optionen, wie sie Kapital beschaffen kann: Emission von Aktien oder Anleihen. Das sind zwar nicht alle Möglichkeiten, aber zwei bekannte und für dich als Privatanleger besonders relevante Arten der Beteiligung.

Aktien stellen das Eigenkapital des Unternehmens dar. Als Anleger bist du damit Miteigentümer und hast zugleich Mitbestimmungsrechte. Das Stimmrecht kann sich auf vielfältige Entscheidungen beziehen. Beispielsweise kann es, wie in diesem Fall, zur Debatte stehen, ob das Unternehmen weitere Aktien ausgeben soll. In der sogenannten Hauptversammlung üben alle Aktionäre ihr Stimmrecht aus.

Ferner bist du als Aktionär auch am Substanzwert eines Unternehmens investiert. Das bedeutet, dass du zum einen mit dem eingesetzten Kapital für das Unternehmen haftest – beispielsweise bei Verlusten. Gleichzeitig bist du in einem Sachwert investiert, das Wertschöpfung betreibt und beteiligst dich somit auch 1:1 an den Gewinnen in unbeschränkter Höhe, wenn die Aktiengesellschaft erfolgreich ist.

Bei Anleihen bzw. Fremdkapital ist genau das Gegenteil der Fall: Während du keine Mitbestimmungsrechte hast, gehst du mit dem eingesetzten Kapital auch keine Haftungsverpflichtung ein. Eine Anleihe stellt lediglich ein Schuldverhältnis zwischen dir als Anleger und der Firma dar. Du zahlst als Käufer der Anleihe zunächst den Betrag, den das Unternehmen erhält. Je nach vorher festgelegter Dauer und Zinshöhe muss der Herausgeber der Anleihe in den Folgejahren bis zur Rückzahlung des Betrages Zinszahlungen an dich leisten. Der Gewinn einer Anleihe ist also im Normalfall (Es gibt andere Varianten von Anleihen) gedeckelt. Im Gegenzug gehst du allerdings ein niedrigeres Risiko ein, da im Falle einer Insolvenz die Fremdkapitalgeber zuerst aus der Insolvenzmasse bedient werden. Du siehst also wieder: Risiko und Rendite stehen in einem Verhältnis zueinander.

Und was ist denn jetzt für mich als Privatanleger besser?

Auf diese Frage gibt es wie sonst auch im Leben eine sehr präzise Antwort: Es kommt drauf an. Zur Beantwortung der Frage spielen die folgenden Faktoren, die ich immer wieder betone, eine Rolle:

  • Wie viel Risiko möchtest du eingehen?
  • Was ist das Ziel oder der Zweck der Anlage?
  • Wie lange ist der Anlagehorizont?

Bedenke hierbei, dass Anleihen in der Regel zwar risikoärmer sind, die Rendite aber gedeckelt ist. Vor allem bei Unternehmen mit besonders hohen Wachstumsraten und Renditen bleibst du als Fremdkapitalgeber außen vor. Allerdings müssen für eine Anlage in Aktien auch die genannten Faktoren das entsprechend erlauben. Letztlich ist die Bestimmung einer individuell abgestimmten Mischung aus den Anlageformen eine Kernaufgabe für dich als Anleger.

Zuallerletzt möchte ich Euch allen eine schöne und erholsame Weihnachtszeit wünschen. Kommt gut ins neue Jahr!

Zudem möchte ich mich vielmals bei Euch Lesern bedanken. Ihr macht den Blog zu dem, was er ist: Eine Plattform für finanzielle Bildung und der selbstbestimmten Geldanlage. Für das neue Jahr habe ich schon einige Ideen für Artikel und ein paar Veränderungen. Ihr dürft also gespannt sein. 😉

Kurzum

  1. Aktien stellen das Eigenkapital des Unternehmens dar, Anleihen das Fremdkapital.
  2. Aktien sind in der Regel risikoreicher als Anleihen, sind aber in der Renditehöhe nicht gedeckelt.
  3. Eine individuelle Mischung aus den Anlageformen ist entscheidend.

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