Dividenden – die beste Gewinnverwendung für den Anleger oder trügerische Geldausschüttung?

Zugegeben, jeder freut sich beim Blick auf den Kontostand über das grüne Plus, das einen Geldeingang kennzeichnet. Als Anleger in Einzelaktien oder ausschüttenden Fonds wirst du bereits sicher die eine oder andere Dividendenausschüttung von deiner Investition erhalten haben. Nicht zuletzt wird deswegen in Anlegerkreisen häufig eine Dividendenstrategie diskutiert, die darauf abzielt, in Werte zu investieren, die möglichst hohe Ausschüttungsquoten aufweisen. Doch ist eine solche Strategie denn überhaupt sinnvoll? Oder gibt es Alternativen der Gewinnverwendung, die für uns als Anleger geeigneter sind? Wie immer hängt sowas natürlich stark von deiner Strategie, deinen Zielen und Präferenzen ab. Lass uns heute daher mal einen Blick darauf werfen, welche Vor- und Nachteile die jeweilige Art der Gewinnverwendung hat.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten der Gewinnverwendung:

  1. Dividende ausschütten
  2. Aktienrückkauf
  3. Reinvestition

Was ist eine Dividende überhaupt?

Eine Dividende ist eine Gewinnausschüttung eines Unternehmens an die Anleger. In einer Geschäftsperiode kann nach Abzug aller Kosten und notwendigen Investitionen der übrig gebliebene Gewinn an die Anleger ausgezahlt werden. Üblicherweise wird ein Geldbetrag je Aktie in der Hauptversammlung festgelegt und anschließend ausgeschüttet. Da mit einer Auszahlung Geld aus dem Unternehmen abfließt, fällt im Anschluss der Aktienkurs um den Dividendenbetrag. Man spricht auch von einem Dividendenabschlag. Vorteilhaft ist diese Art der Gewinnverwendung, wenn du auf laufende Auszahlungen angewiesen bist, weil in der Regel dafür keine Transaktionskosten von deiner Bank anfallen. Wenn du hingegen auf diese regelmäßigen Ausschüttungen verzichten kannst, stellen Dividenden (und auch Aktienrückkäufe) eine relativ unkreative Art der Gewinnverwendung dar. Hintergrund ist ja die zugrundeliegende Absicht, mit einer Aktienanlage das Geld bestmöglich für einen arbeiten zu lassen. Daher vertraut man sein Geld einer Firma an, das entsprechende Ideen hat, wie man es in Produktionsanlagen und Mitarbeiter investiert, die mit Produkten oder Dienstleistungen Wertschöpfung betreiben und Gewinne erzielen. Fehlen diese Ideen oder sind sie bereits ausgeschöpft, dann gibt es für die Aktiengesellschaft eben “nichts Besseres” mehr, als das Geld auszuschütten.

Eine Ausschüttung von Dividenden ist nicht die einzige Möglichkeit der Aktiengesellschaft, die Anleger an den Gewinnen teilhaben zu lassen.

Neben der Auszahlung an die Anleger hat die Firma noch zwei maßgebliche Möglichkeiten der Gewinnverwendung. Mit einem Aktienrückkauf kann ein Unternehmen eigene Anteile zurückkaufen. Der Vorteil für dich als Anleger liegt auf der Hand: Ohne weitere Zukäufe deinerseits steigt dein Anteil am Unternehmen. Entsprechend erhöhen sich Kennzahlen wie Gewinn je Aktie, da weniger Anteilsscheine im Umlauf sind. Im direkten Vergleich zur Dividende kann es ein Vorteil sein, dass du dich als Anleger hierbei nicht darum kümmern musst, die Ausschüttung wieder anzulegen. Allerdings solltest du Aktienrückkäufe insbesondere dann kritisch hinterfragen, wenn das Bewertungsniveau relativ hoch ist und die Aktiengesellschaft eigene Anteile teuer zurückkauft.

Mit einer Reinvestition kann ein Unternehmen die Gewinne für vielfältige Maßnahmen einbehalten, die darauf abzielen, Umsatz und Gewinne zu steigern. Darunter können Investitionen in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte oder auch Ausgaben für den Eintritt in neue Märkte fallen.

Und was ist nun für uns als Anleger die beste Variante?

Wie du dir sicher schon denken kannst, gibt es auf diese Frage keine allgemeingültige Antwort. Es kommt wie immer auf deine persönliche Anlagestrategie und Präferenzen ab. Dennoch gibt es einige Punkte, die du bedenken sollst, wenn du die Entscheidung eines Unternehmens, was mit dem Gewinn passieren soll, bewertest. Grundsätzlich herrscht meiner Meinung nach der Trugschluss vor, dass ein Unternehmen, das Dividenden ausschüttet, als Anlage attraktiver ist, da zusätzlich zu den Kurssteigerungen noch Geld an die Anleger ausgezahlt wird. Zum einen sollte der oben beschriebene Effekt des Dividendenabschlags berücksichtigt werden, der den Aktienkurs um denselben Betrag mindert. Zum anderen handelt es sich bei der Ausschüttung lediglich um eine Entscheidung, ob das Geld im Unternehmen verbleiben (und somit beispielsweise in Zukunftsprojekte investiert wird) oder an die Anleger ausgezahlt werden soll. Folglich wird durch diese Entscheidung an sich kein zusätzlicher Gewinn erwirtschaftet.

Daher solltest du dich als Anleger eher die Frage stellen, ob auf laufende Auszahlungen von deinen Aktien angewiesen bist. In diesem Fall kann ein Dividenden-Unternehmen eine attraktive Option sein. Wenn du hingegen auf eine langfristige Beteiligung abzielst und vom Zinseszins-Effekt bestmöglich profitieren möchtest, kann ein Unternehmen, das seine Gewinne einbehält und sie reinvestiert, die bessere Anlage sein. Denn es sind letztlich diese Investitionen in Forschung und Entwicklung oder Marketing, die dem Unternehmen die Möglichkeit geben, seine Marktposition zu stärken und Umsatz und Gewinne langfristig zu steigern. Und nur so kann eine Aktiengesellschaft einen steigenden Kurs nachhaltig rechtfertigen.

Kurzum

  1. Dividenden, Aktienrückkauf und Reinvestition sind Maßnahmen von Aktiengesellschaften, um Anleger zu entlohnen.
  2. Dividendenausschüttungen sind mit Abschlägen im Kurs verbunden und erzeugen keine zusätzlichen Gewinne.
  3. Je nach Anlegertyp kann die eine oder andere Variante attraktiver sein.

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