Die drei großen Irrtümer in der Geldanlage.

Hand aufs Herz: Wie oft hast du dir schon vorgenommen endlich das Thema Finanzen und Geldanlage anzugehen? In Gesprächen mit Freunden und Kollegen höre ich immer wieder verschiedenste Gründe, warum sie sich damit noch nicht befassen können. Daneben werden zwei weitere Irrtümer in Bezug auf das Investieren besonders häufig erwähnt. Auf diese drei weit verbreiteten Missverständnisse werde ich in diesem Beitrag ausführlich eingehen.

1. Man braucht viel Geld, damit man wirklich mit dem Vermögensaufbau beginnen kann.

Das ist mit Abstand das am häufigsten genannte Argument, wieso dieses Thema in die Zukunft verschoben wird. Gleichzeitig ist das auch der größte Irrtum, der vorherrscht. Vor allem in Gesprächen mit Studenten höre ich oft Folgendes:

„Ich bin ja aktuell Student und habe noch nicht wirklich Geld. Wenn ich dann richtig arbeite, fange ich damit an.“

Es ist sehr schade, dieses Thema zu vertagen, weil damit viel Potential und Erfahrung verschenkt wird. Warum fragst du dich jetzt? Weil es immer besser ist, klein und früh anzufangen, als spät(er) und groß einzusteigen.

Zum einen spielt hier der Zinseszinseffekt eine sehr große Rolle. Wenn du möglichst früh, also beispielsweise schon zu den Anfangszeiten des Studiums beginnst anstatt erst mit dem Jobeinstieg, hast du viele „zusätzliche“ Jahre im Vergleich zum späteren Einstieg, in denen der Zinseszinseffekt für dich arbeiten kann. Arbeite also nicht nur für dein Geld, sondern lass es auch mal für dich arbeiten 😉

Zum anderen – und das ist der viel wichtigere Grund – sammelst du damit frühzeitig wichtige Erfahrungen.  Du lernst nicht nur, wie du ein Depot einrichtest oder wie der Aktienhandel funktioniert, sondern auch welche Risikotoleranz du hast und welche Anlagestrategie zu dir passt. Zudem lernst du mit den Schwankungen im Aktienmarkt und möglichen Crashs umzugehen. Kurz: Indem du klein anfängst, minimierst du das Risiko, später, wenn du größere Beträge angelegt hast, bei einem größeren Kurseinbruch Anteile panisch zu verkaufen oder anderweitige Fehler zu machen. Ziel ist es, dass du zum Berufseinstieg dich bereits bestens auskennst und die notwendige Erfahrung hast, um mit deinem Einkommen größere Investitionen machen zu können.

So, jetzt wirst du vielleicht sagen, dass du wirklich ein sehr kleines Budget hast und eigentlich kaum über die Runden kommst mit deinem Geld als Student. Das mag sein, allerdings ist es vor allem bei Direktbanken (Banken, die kein eigenes Filialnetz haben wie comdirect, DKB oder ING DiBa) schon mit 50€ (teilweise sogar 25€) möglich, Sparpläne auf Fonds wie zum Beispiel ETFs abzuschließen. Sparpläne sind nichts anderes als regelmäßige Einzahlungen in Fonds, die man aber jederzeit wieder kündigen kann. Sie sind flexibel in den Einzahlraten. Du kannst also monatlich, quartalsweise oder (halb-)jährlich einzahlen. Wenn du also nicht einmal 50€ monatlich – oder sagen wir sogar quartalsweise – entbehren kannst, dann solltest du deine monatlichen Ausgaben überprüfen. Schließlich ist das zwar Geld, auf das du aktuell verzichtest, aber gleichzeitig ist es eine Investition zum langfristigen Vermögensaufbau.

2. Wenn man sich mit der Geldanlage und der Finanzwelt generell nicht auskennt, sollte man ein Beratungsgespräch mit dem Bankberater vereinbaren.

Dieses Argument stellt einen weiteren Irrtum dar; es wird vielleicht nicht direkt genannt, aber letztlich handeln viele danach. Und ich kann das auch absolut nachvollziehen. Finanzen bzw. Geldanlage ist leider kein Thema, das an Schulen gelehrt wird, aber deswegen bist du auch hier 😉

Generell ist das Problem bei so einer Beratung die Anreizkompatibilität, wie ich sie gerne nenne. Einfach gesagt: Das Beste für dich ist nicht das Beste für die Bank. Warum? Nun, die Bank wird dir nicht alle im Markt verfügbaren Optionen aufzeigen und davon die passende Variante empfehlen. Nein, denn sie wird dir nur ihre eigenen Versicherungen und Produkte zur Geldanlage anbieten. Oftmals handelt es sich bei den empfohlenen Fonds um aktive Produkte (Erklärung in diesem Artikel), die sehr hohe Kosten haben wie ein gewisser Prozentsatz an Ausgabeaufschlag und meist 1,5% jährliche Gebühren. Das klingt für dich vielleicht auf dem ersten Blick nicht viel, dir muss aber bewusst werden, dass diese Gebühren wirklich jedes Jahr anfallen, egal ob die Kurse hoch stehen, oder im Keller sind. Über die Laufzeit der Investition hochgerechnet ist das ein großer Kostenfaktor. Im Vergleich dazu hat ein passives Produkt wie ein ETF keinen Ausgabeaufschlag und oftmals jährliche Gebühren von unter 0,5%.

Falls du an dieser ganzen Sache noch Zweifel hast, dann stell dir bitte diese Frage: Wieso stellt dir eine Bank, die ihre Mitarbeiter und Büroflächen teuer bezahlen muss, kostenlos einen Mitarbeiter zur Verfügung, der dich in Sachen Geldanlage beraten soll? Welchen Nutzen hat die Bank davon? Würde sie das vielleicht tun, weil sie sie in dieser Sache einen größeren Gewinn sieht, wenn sie dir bei einer kostenlosen Beratung teure Produkte verkaufen kann?

Das soll jetzt keine generelle Herabwürdigung von Banken und deren Beratern darstellen. Letztlich sind sie auch nur Vertriebler der eigenen Bankenprodukte, deren Gehälter oftmals daran gekoppelt sind. Je mehr Produkte sie den Bankkunden verkaufen können, desto mehr werden sie gehaltsmäßig davon profitieren. Was ich hier eigentlich erreichen möchte ist, dass du zukünftig bei solchen Angelegenheiten die Informationen kritisch hinterfragst und Alternativangebote einholst. Und das gilt auch für jegliche Art von Vermögens- und Anlageberatung. Vor allem im Bereich Altersvorsorge wirst du eine Vielzahl von Beratungsmöglichkeiten und Angeboten finden. Umso wichtiger ist es, dass du dir ein gutes Verständnis vom Produkt und die damit verbundenen Risiken und Alternativen bildest. Dieses Thema habe ich bereits in einem älteren Artikel ausführlich beleuchtet.

3. Ich investiere in XY, weil der Kurs in letzter Zeit enorm gestiegen ist.

Dieser Punkt geht sicher stark mit dem zweiten Irrtum einher, verdient aber aufgrund der weiten Verbreitung doch seine eigene Würdigung. Zu diesem Thema ist mir eine Fahrt in der S-Bahn letztes Jahr in Erinnerung geblieben, in der sich zwei Fahrgäste über das Thema Bitcoin unterhielten. Eine Aussage war sinngemäß:

„Hey, du musst jetzt auch unbedingt in Bitcoins investieren. Es gibt kein Risiko, da der Kurs in den letzten Jahren nur gestiegen ist.“

Nun, wo ist das Problem hier? Die Investition in Bitcoin an sich nicht unbedingt, aber das fehlende Hintergrundwissen und die damit verbundene Anlagestrategie jedoch sicherlich. Denn nur in etwas zu investieren, weil der Kurs gestiegen ist, ist wirklich keine gute Idee. Die Geschichte hat in der Vergangenheit gezeigt, wozu solch ein Verhalten in einem größeren Ausmaß oft geführt hat: Spekulationsblasen. Und Blasen platzen einfach irgendwann.

Ist es also generell eine schlechte Idee in Bitcoins zu investieren? Nicht unbedingt, aber der Mitfahrer hätte seine Investitionsentscheidung auf Basis von Fakten und nach einer Abwägung der damit verbundenen Chancen und Risiken treffen müssen. Wie funktioniert denn die Blockchain-Technologie? Welche Risiken sind vorhanden? Und welche Chancen hat man mit einer Investition in Bitcoins? All das sind Fragen, die er am Anfang hätte beantworten müssen, um eine informierte Entscheidung zu treffen. Beispielsweise wäre die mögliche Etablierung von Bitcoin als alternatives Zahlungsmittel eine mögliche Perspektive für diese Kryptowährung. Und das wäre zumindest ein vertretbares Pro-Argument gewesen, das zur Investitionsentscheidung beitragen kann.

Exkurs – Meine persönliche Meinung zu Bitcoin als Zahlungsmittel: Damit sich Bitcoin oder eine sonstige potentielle Währung als Zahlungsmittel durchsetzen kann, müssen zwei grundlegende Faktoren erfüllt sein: Genügend (weltweite) Akzeptanz und Kursstabilität. Bei Letzterem sehe ich das größte Problem. Dadurch, dass sich unter den Anlegern so viele spekulative bzw. uninformierte Investoren befinden, ist der Bitcoin-Kurs sehr anfällig für Schwankungen. Kleinste negative Nachrichten können schon schnell zu Panikverkäufen führen. Das Ganze läuft dann in einer selbstverstärkenden Kettenreaktion ab: Die negative Schlagzeile führt zu Verkäufen an sich, da Anleger geschürt von der Angst vor Kursverlusten präventiv ihre Bitcoins verkaufen. Das höhere Angebot führt zu fallenden Preisen, die dann weitere Anleger zu Verkäufen anregt. Dieser Effekt zeigt sich natürlich auch bei positiven Nachrichten in umgekehrter Richtung. Solange es diese extremen Kursschwankungen gibt, sehe ich persönlich die Etablierung von Bitcoin als Zahlungsmittel sehr schwierig.

Das Thema Bitcoin ist natürlich nur ein Beispiel. Der Grundgedanke, den ich dir mitgeben möchte, ist es, sogenannte Trendinvestitionen zu vermeiden. Du solltest also keine Investitionsentscheidung lediglich auf Kursanstiege stützen, sondern auf Basis von Fakten und Überlegungen eine informierte Entscheidung treffen.

Kurzum

  1. Man kann nie früh genug mit dem Vermögensaufbau beginnen – lieber früh und klein anfangen als spät und groß einsteigen.
  2. Hinterfrage Angebote in der Finanzwelt kritisch und folge nicht blind irgendwelchen Trends beim Investieren.

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