Die böse Inflation und warum Brezen keine gute Geldanlage sind.

Als ich vor knapp neun Jahren in die bayerische Landeshauptstadt gezogen bin, ist mir nach kurzer Zeit schon klar geworden, dass es hier etwas anders zugeht. Inzwischen bin ich natürlich bestens eingebürgert und habe mich traditionsgerecht mal wieder einem ausgiebigen Weißwurst-Frühstück gewidmet, zu dem natürlich auch Brezen gehören.

Beim Kauf der Brezen ist mir schnell der erneute Preisanstieg aufgefallen: 72 Cent pro Breze! Wenn ich an meine Anfangszeiten (2011/2012) in München zurückdenke, habe ich sie oftmals noch für etwa 50 Cent bekommen. Hochgerechnet kommt man auf eine Preissteigerung von 44% oder ein durchschnittliches Wachstum von 5,3% pro Jahr. Kein schlechter Anstieg, oder? Das finde ich auch und schlage daher vor:

“Lasst uns alle in Brezen investieren!”

Jetzt wirst du natürlich berechtigterweise fragen, wie ich mir das genau vorstelle. Naja, ich kaufe mir eine größere Menge Tiefkühl-Brezen, die ich dann in meiner Kühltruhe im Keller aufbewahre. Dann heißt es einfach: Tee trinken und auf die Wertsteigerung warten! Brezen sind doch schließlich eine Anlage mit einem ordentlichen Anstieg, wie wir gerade feststellt haben.

So, bevor du jetzt mich für komplett wahnsinnig erklärst: Nein, natürlich meine ich das eben nicht ernst! Wie der Titel auch schon andeutet, ist die Preissteigerung nicht auf eine Wertsteigerung der Breze an sich, sondern auf die Inflation zurückzuführen.

Mir geht es in meinem ersten Beitrag hier aber nicht um eine banale Erklärung der Inflation an sich, sondern vielmehr um ein Problem, das mir bei Gesprächen mit einigen Leuten, die sich für das Thema Geldanlage interessieren, aufgefallen ist. Während sich fast jeder etwas unter dem Kaufkraftverlust des Geldes bei der Inflation vorstellen kann, fällt es doch auffallend vielen schwer, diesen Gedanken auch auf das Thema Geldanlage zu übertragen.

Das hierzulande beliebte Sparbuch ist ein klassisches Beispiel hierfür. Ein vielfach genanntes Argument ist, dass das Geld sicher ist und verzinst wird. Abgesehen von der aktuellen Niedrigzinsphase mag das stimmen, aber wie viel ist das Sparbuch bzw. eine Anlage generell wert, wenn es die Inflation nicht ausgleichen kann? Das eingezahlte Guthaben steigt zwar betragsmäßig an, aber der Kaufkraftverlust ist einfach höher.

Oder anders gefragt: Wie viel ist dir die sichere Verzinsung von beispielsweise 1% wert, wenn die Inflation 2% beträgt?
Kurzfristig wird einem der oftmals schleichende Kaufkraftverlust nicht so stark auffallen, aber über längere Zeiträume wird das ins Gewicht fallen, wie wir das eben beim Brezen-Beispiel gesehen haben. Im Endeffekt geht es hierbei um die Unterscheidung zwischen Geld- und Sachwerten. Während die Preise für Sachwerte (Aktien, Immobilien) angepasst werden können, sind Geldwerte (Bargeld, Guthaben auf dem Girokonto) der Inflation ausgeliefert. Der Wert deines 100€-Scheins im Geldbeutel wird nun mal bei diesem Nennwert von 100€ bleiben. Die Preise für Waren und Dienstleistungen können hingegen jederzeit angepasst werden.

Was ich dir heute einfach mitgeben möchte ist, dass du dir der Inflation auch bei der Geldanlage bewusst sein solltest.

Kurzum

  1. Die Inflation ist der Gegner jeder Investition.
  2. Ein Anlageprodukt, das die Inflation nicht überkompensieren kann, ist nicht zum langfristigen Vermögensaufbau geeignet.
  3. Sachwerte wie Immobilien sind inflationsgeschützt, Geldwerte nicht.


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