Ist das gut oder schlecht? Der Vergleich zählt.

Bevor ich mit meinen Artikeln in die Welt des langfristigen Vermögensaufbaus einsteige und dir konkrete Anlagestrategien und -möglichkeiten vorstelle, ist es mir wichtig, nicht nur die notwendigen Grundbegriffe, sondern auch eine gewisse wirtschaftliche Denkweise zu vermitteln.

In diesem Beitrag geht es um die wohl zweitwichtigste Frage der Welt – eine Frage, die im Kontext der Geldanlage häufig mit einer anderen Herangehensweise beantwortet wird, als in womöglich jedem anderen Zusammenhang. Üblicherweise kann sie in etwa so lauten:

“Mein Bankberater hat mir das Anlageprodukt XY empfohlen. Ist das gut oder schlecht?”

Bevor ich nun näher auf die Frage eingehe, möchte ich dich erstmal bitten, dich in folgende Situation zu versetzen: Stell dir vor du möchtest dir (weswegen auch immer) ein neues Auto kaufen. Ein guter Freund kennt sich in deiner Stadt bestens aus und empfiehlt dir einen guten Autohändler, dem du vertrauen kannst – welch ein Glück! Dieser ruft dich kurz darauf schon an und bietet dir ein nagelneues Auto für 16.000€ an.

Jetzt frage ich erstmal dich: “Ist das gut oder schlecht? Würdest du da jetzt zuschlagen?”

Selbst wenn du kein Auto-Experte bist und für dich Steuerkette oder Zahnriemen nach exklusiven persischen Gericht klingen, wirst du natürlich dennoch einige Details wissen wollen wie:

  • Um welches Modell handelt es sich?
  • Benzin oder Diesel?
  • Wie ist der Verbrauch?
  • usw.

Kurzum: Du würdest vorab Informationen einholen, die Eigenschaften prüfen und vor allem vergleichen, für welchen Preis ähnliche Autos gehandelt werden. Was für uns beim Autokauf oder bei vielen Konsumgütern generell absolut naheliegend ist, trifft bei Entscheidungen hinsichtlich der Geldanlage leider nicht so oft zu.

Einige etwas überspitzte Beispiele:

“Gold ist eine absolut sichere Investition! Damit kann ich nichts falsch machen.”

“Ich habe jetzt auch in Bitcoins investiert. Der Kurs ist in der Vergangenheit ja nur gestiegen.”

Gegenfragen dazu: Sollten wir in etwas investieren, nur weil der Kurs in der Vergangenheit gestiegen ist? Wie nachhaltig ist so eine Geldanlage? Und in was lege ich damit überhaupt an? Anstatt uns auf solche Argumente zu stützen, sollte so eine wichtige Entscheidung auf Basis von Fakten und Vergleichen gefällt werden. Vor allem Letzteres fällt vielen schwer. Lass uns doch daher genau das Vergleichen am besten beim eingangs erwähnten Anlageprodukt des Bankberaters durchspielen:

Stellen wir uns vor, es geht um die Empfehlung für einen Fonds. (Achtung: Der Link verweist auf ein reines Beispiel und stellt keine Anlageempfehlung dar. Ganz im Gegenteil: Wer weiter meine Artikel verfolgt, wird feststellen. dass ich davon sogar abraten würde)

Exkurs: Man kann sich einen Fonds als einen Topf vorstellen, der Geld von Anlegern sammelt. Das Geld wird dann je nach Fondstyp in Aktien, Anleihen etc. investiert. Man unterscheidet im Groben zwischen zwei Arten von Fonds: aktiv gemanagte Fonds und passive Fonds. Aktiv gemanagte Fonds werden von sogenannten Fondsmanagern verwaltet, die einfach gesagt, den Markt analysieren und nach attraktiven Investitionen suchen und tätigen. Bei passiven Fonds entfallen diese Leute, da (wie der Name schon andeutet) die Zusammensetzung der Investitionen nach einem Index (Gruppe von Aktien) geschieht. Beispielsweise kann ein passiver Fonds den DAX (Index, der die 30 größten Aktiengesellschaften in Deutschland darstellt) abbilden. Ich werde in einem zukünftigen Beitrag detailliert auf dieses Thema eingehen.

Wenn du dir den verlinkten Fonds angeschaut hast, wirst du sehen, dass es sich hierbei um einen aktiv gemanagten Fonds handelt, der auf besonders aussichtsreiche deutsche Aktien setzt. Es gibt also wie eben erklärt einen Fondsmanager der sich beispielsweise fragt, ob Siemens ein attraktives Unternehmen ist, in das er investieren soll.
Als Verkaufsargument kann dir der Bankberater nun sagen, dass dieser Fonds in den letzten drei Jahren etwa 18% an Wertsteigerung erwirtschaftet hat.

Wie wir ja schon festgestellt haben, reicht es natürlich nicht, nur die einzelne Wertentwicklung anzuschauen. Wir brauchen einen Vergleich, sonst können wir nicht wissen, ob der Fonds gut oder schlecht ist. Typischerweise vergleicht man aktiv gemanagte Aktienfonds mit dem jeweiligen Index. In diesem Fall passt der DAX sehr gut rein, da er ja die Wertentwicklung der 30 größten Aktiengesellschaften in Deutschland darstellt.

So könnte dann ein Vergleich aussehen:

Quelle: https://www.onvista.de/fonds/vergleich (01.04.2019)

Für den betrachteten Zeitraum von drei Jahren hat also der DAX (grüne Linie) minimal besser abgeschnitten. Die Empfehlung des Bankberaters haben wir nun in eine relative Perspektive gerückt.

Das ist natürlich ein wichtiger Schritt bei der Entscheidungsfrage, wenn auch nicht der einzige zu beleuchtende Aspekt. Diesen Beitrag möchte ich allerdings erstmal hierbei belassen. In zukünftigen Artikeln werde ich natürlich detaillierter auf einzelne, hier angeschnittene Punkte eingehen (Welche Anlagemöglichkeiten gibt es? Wie unterscheiden sich die Fonds überhaupt?).

Wichtig war mir in diesem Beitrag, dir zum einen ein ökonomisches Urteilsvermögen mitzugeben und zum anderen hervorzuheben, dass Entscheidungen vor allem in der Geldanlage auf Informationen, Fakten und Vergleichen gefällt werden sollten.

Wenn wir uns mal begegnen sollten, hoffe ich, dass ich auf deine Frage “Ist das gut oder schlecht?” mit “Sag’ du es mir!” antworten kann! 😉

Wie immer gilt: Beitrag teilen erwünscht. Themenvorschläge und Fragen sind jederzeit willkommen!

Kurzum

  1. Informiere dich über deine Geldanlage und sei dir bewusst, in was du genau investierst.
  2. Vergleiche, Vergleiche, Vergleiche!


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