Der Nr. 1 Fehler, den viele Anleger in Aktien begehen.

Manch einer tut es, manch anderer tut es nicht. Meine Erfahrung zeigt, dass vor allem weniger erfahrene Anleger in Aktien es leider gar nicht oder nicht umfassend genug machen. Vor allem im Zuge der Corona-Krise und damit einhergehend der fallenden Kursen an der Börse haben es viele (zu) unüberlegt getan. Wovon ist die Rede?

Die fundierte und ausführliche Analyse des Unternehmens vor der Anlageentscheidung.

Diejenigen, die sich vorab Gedanken machen und sich fragen “Wie finde ich aussichtsreiche Aktien?”, haben tendenziell bereits die richtigen Ansätze in der Beurteilung, ob ein Unternehmen eine Investition rechtfertigt. Beispielweise geben manche folgende Gründe für eine Anlage in das jeweilige Unternehmen an:

“Das Unternehmen X hat in letzter Zeit echt innovative Produkte auf den Markt gebracht.”

“Das Geschäftsfeld von Firma Y ist einfach so essentiell und krisensicher, da kann nichts schiefgehen.”

Das ist für den ersten Schritt schon mal nicht schlecht und deutlich besser, als “blind” zu kaufen oder unüberlegt irgendwelchen Trends zu folgen, aber für eine valide Aussage, die auch eine Anlageentscheidung in einzelne Aktien sauber untermauert, ist eine umfangreichere Analyse erforderlich. Doch worauf kommt es nun bei der Bewertung von Aktien an?

Hier gibt es wie auch sonst im Leben verschiedene Ansätze. Mit diesem Artikel zeige ich dir, wie du diesen weit verbreiteten Fehler in Aktienkäufen vermeiden kannst und gebe dir einen Überblick über gängige Aspekte, die auf jeden Fall Berücksichtigung finden sollten.

Da dieser Beitrag bereits sehr umfangreich ist, werde ich nicht auf jeden einzelnen Punkt detailliert eingehen können. Dieser Leitfaden sollte dir auch eher Denkanstöße geben, an die du vielleicht nicht gedacht hättest. Falls du zu einigen Bereichen mehr Informationen haben willst, schreib das doch gerne in die Kommentare. Ich werde das dann als Wunsch für meine nächsten Artikel berücksichtigen 😉

Ein wichtiger Punkt vorab: Vor allem bei Investitionen in einzelnen Aktien (Stichwort: aktives Investieren) gibt es nie eine Garantie auf einen Gewinn, jedoch senkst du mit einer umfassenden Analyse die Gefahr, etwas Wichtiges zu übersehen oder unnötige Risiken einzugehen.

Für die Bewertung von Aktien sind aus meiner Sicht folgende Bereiche relevant:

  1. Globalanalyse
  2. Branchenanalyse
  3. Unternehmensanalyse
  4. Die entscheidende Frage am Ende

1. Globalanalyse

Wie der Name es vermuten lässt, bewegen uns in der Globalanalyse auf einer recht hohen “Flugebene”. Hier schaut man sich zunächst die gesamtheitlichen Rahmenbedingungen auf globaler Ebene an. Relevante Aspekte können sein:

  • Wie ist die aktuelle Konjunkturlage?
  • Globalpolitische Situation (Drohen Handelskriege? Wie sind die diplomatischen Beziehungen?)
  • Wie ist die Zinslage bei den großen Notenbanken?
  • Wie sind die Rohstoffpreise am Markt?

Diese Fragen geben Aufschluss darüber, wie sich das Umfeld, in dem sich das Unternehmen befindet, gestaltet. Befinden wir uns beispielsweise in einer tiefen Rezession kann man nicht davon ausgehen, dass ein Luxusgüterhersteller unbedingt große Absatzrekorde erzielen wird. Gleichzeitig können steigende Rohstoffpreise die Kosten für die Herstellung eines Produktes in die Höhe treiben.

2. Branchenanalyse

In der Branchenanalyse wirft man einen Blick auf die spezifischen Eigenschaften der Branche, in der sich das Unternehmen befindet. Folgende Punkte können interessant sein:

  • Welche Mitbewerber sind im Markt aktiv? Wie intensiv ist die Rivalität?
  • Welche Eintrittsbarrieren existieren für potentielle neue Mitbewerber? Sind hohe Investitionen oder spezielle Kenntnisse notwendig, um in den Markt einzutreten?
  • Wie ist die Gesetzeslage? Gibt es Bedrohungen oder Unterstützung für die Unternehmen in der Branche durch die Politik?
  • Wie ist die Entwicklung des Marktes? Wächst der Markt oder ist er eher rückläufig? Gibt es Trends, die den Markt vergrößern oder gefährden?

In diesem Teil ist es auch wichtig, mögliche Chancen und Risiken abzuleiten, die sich hieraus für die Unternehmen in der Branche ergeben.

3. Unternehmensanalyse

Qualitative AnalyseQuantitative Analyse
– Unternehmensführung und Strategie
– Produkte und Dienstleistungen
– Wettbewerbsfähigkeit
Fundamentalanalyse
– Bilanz
– Gewinn- und Verlustrechnung
– Kennzahlen zum Bewertungsniveau

Die Unternehmensanalyse berücksichtigt verschiedene Aspekte, die die Attraktivität der Firma als Anlageobjekt bewerten sollen. Während die qualitativen Fragestellungen auch für Anfänger relativ eingängig sind, erfordert der quantitative Bereich Fachkenntnisse über das Rechnungswesen (Aufbau einer Bilanz, Bedeutung verschiedener Kenngrößen, etc.). Für jemanden, der sich damit noch nie auseinandergesetzt hat, ist das vermutlich der herausfordernste Teil. Gleichzeitig ist das vermutlich auch der Grund, warum dieser wichtige Teil leider von den meisten Anlegern bei der Anlageentscheidung ignoriert wird. Falls du Interesse an einem Artikel speziell zur quantitativen Fundamentalanalyse hast, schreib es gerne in die Kommentare.

Unternehmensführung und Strategie

  • Verfügt das Unternehmen über einen Vorstand, der die notwendige Qualifikation mitbringt?
  • Welche Erfolge/Misserfolge sind bisher zu verzeichnen?
  • Welche Ziele werden anvisiert?
  • Wie ist die Unternehmensstrategie? Ist sie fundiert und auf langfristiges Wachstum ausgerichtet? Gab es häufige Strategiewechsel?

Produkte und Dienstleistungen

  • Welche Produkte und Dienstleistungen bietet das Unternehmen an? Sind sie wettbewerbsfähig?
  • Wie sind die Marktanteile des Unternehmens?
  • Gibt es Überlegungen, weitere Produkte und Dienstleistungen anzubieten? In welchen Bereichen? Wie profitabel sind sie?

Wettbewerbsvorteile

  • Hat das Unternehmen strategische Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz?
  • Besitzt es beispielsweise eine starke Marke, die dem Unternehmen erlauben, hohe Preise zu verlangen oder Kunden langfristig an sich zu binden?
  • Hat das Unternehmen exklusiven Zugang zu Märkten oder Zulieferern?

Quantitative Fundamentalanalyse

Die quantitative Fundamentalanalyse ist, wie eingangs erwähnt, vor allem für Einsteiger der schwierigste Teil, da er doch viele Fachkenntnisse erfordert. Gleichzeitig ist das auch der Aspekt, der am häufigsten von Anlegern vergessen wird. Dabei ist dieser Punkt absolut essentiell, da er nicht nur Aufschluss über die Profitabilität des Unternehmens gibt, sondern auch ob das Unternehmen relativ zum Aktienkurs über- oder unterbewertet ist. Wichtig ist hierbei wie immer der Vergleich dieser Werte mit den Wettbewerbern in der Branche.

  • Bilanz
    • Wie viel Eigenkapital ist vorhanden?
    • Wie ist die Verschuldungsquote?
    • Sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten ausreichend mit kurzfristigen Mitteln gedeckt?
    • Gab es Aktienrückkäufe oder eine Kapitalerhöhungen in der Vergangenheit? Warum?
    • Wurden Dividenden gezahlt? Wenn ja, wurden sie fremdkapitalfinanziert?
  • Gewinn- und Verlustrechnung
    • Wie profitabel ist das Unternehmen? Welcher Gewinn wird erzielt und wie ist der Cashflow?
    • Wie hoch ist die Marge?
    • Gibt es eine positive Gewinn- und Cashflowentwicklung über die letzten Jahre?
    • Gibt es auffällige Zu- und Abschreibungen über die Jahre?
  • Kennzahlen zum Bewertungsniveau

4. Die entscheidende Frage am Ende

Nach all diesen Punkten, die du betrachten solltest, musst du dir am Ende noch eine essentielle Frage stellen und zwar “Sind diese Informationen und Erwartungen bereits im Kurs eingepreist?”. Denn in diesem Artikel haben wir gelernt, dass der Aktienkurs nichts anderes als die Meinungen und Erwartungen der Anleger an die zukünftige Gewinnentwicklung des Unternehmens darstellt. Nun müssen wir mit den Erkenntnissen und Überlegungen aus der obigen Analyse nur noch den Abgleich mit den Kennzahlen zum Bewertungsniveau machen: Sind diese Chancen und das Potential des Unternehmens bereits im aktuellen Kurs berücksichtigt? Oder ist das Unternehmen eher unterbewertet?
Denk dran: Je höher die Kennzahlen zum Bewertungsniveau (und damit der Aktienkurs) ist, desto höher fällt die zukünftige Gewinnerwartung der Anleger an das Unternehmen aus. Das bedeutet also, dass bei einer extrem hohen Bewertung der Aktienkurs selbst bei positiver Gewinnentwicklung des Unternehmens fallen kann, wenn die Anleger zuvor das Potential überschätzt haben.

Kurzum

  1. Global-, Branchen, und Unternehmensanalyse stellen eine saubere Grundlage für die Investitionsentscheidung in Einzelaktien dar.
  2. Bei allen Punkten ist der Vergleich mit den Wettbewerbern essentiell.
  3. Die Kennzahlen zum Bewertungsniveau geben Aufschluss darüber, wie hoch die Gewinnerwartungen an das Unternehmen sind.

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