Corona, Börsencrashs und Kapitalschwemme.

Angesichts der aktuellen Schlagzeilen, die tagtäglich rund um das Thema Coronavirus und dessen Folgen für die Welt veröffentlicht werden, möchte ich diesen Artikel speziell den Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Aktienmärkte widmen.

Vorab möchte ich betonen, dass ich hier natürlich nicht auf medizinische oder gesellschaftliche Sachverhalte eingehen werde. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich die vielschichtige Problematik, die mit diesem Virus einhergeht, herunterspielen oder ignorieren möchte. Ich denke allerdings, dass andere Leute deutlich qualifizierter sind, sich zu den genannten Problemen zu äußern. Meinen Finanz-Blog betreibe ich hier mit dem Ziel finanzielle Bildung zu verbreiten. Daher geht es diesmal nicht um konkrete Anlagestrategien, sondern um ein besseres Verständnis der Weltwirtschaft und den Zusammenhang zwischen den Begriffen Weltkrisen, Börsencrashs und Kapitalschwemmen.

Was ist eine Kapitalschwemme genau und wieso existiert sie?

Um die aktuelle Situation der Aktienmärkte um den Zeitraum vor und nach dem Einbruch durch den Coronavirus zu verstehen, müssen wir etwa 12 Jahre in die Vergangenheit reisen. Wie dir sicherlich noch bekannt ist, ist zu der Zeit damals die Immobilienblase in den USA geplatzt, was eine weltweite Rezession zur Folge hatte. Um die Wirtschaft anzukurbeln, stehen den Zentralbanken der Welt eine zentrale geldpolitische Maßnahme zur Verfügung: Die Senkung des Leitzinses. Diese hat verschiedenste Auswirkungen zur Folge, die letztlich der Wirtschaft in Krisenzeiten einen positiven Impuls geben soll. Zum einen bedeutet eine Zinssenkung günstiges Kapital für Unternehmen, das sie nutzen können, um neue Geschäftsbereiche zu erschließen oder in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte zu investieren. Insbesondere diejenigen Firmen, die eigentlich attraktive Projekte in Aussicht hatten, sie aber mangels Kapital und günstigen Finanzierungsoptionen noch nicht bestritten haben, werden nun von der Möglichkeit Gebrauch machen, diese doch umzusetzen. Zum anderen bewirkt das billige Geld eine Verhaltensänderung der Bevölkerung, denn damit kann eine Zentralbank Anreize zum Spar- und Konsumverhalten von Individuen setzen. Wenn die Zinsen niedrig sind, werfen sichere Anlagen wie Festgeld oder Sparbücher keine Gewinne mehr ab. Das führt dazu, dass Leute nach Alternativanlagen suchen und letztlich ihr Vermögen von Geldwerten (wie Festgeld oder Sparbuch) zu Sachwerten wie Immobilien oder Aktien verschieben. Beispielsweise werden mit dem günstigen Geld Immobilien finanziert oder Sparbücher aufgelöst, um in Aktienfonds zu investieren.

Langfristig gesehen entsprechen die Preise und Aktienkurse im weiteren Verlauf also nicht mehr ihrem “realen” oder fairen Gegenwert, sondern sind zunehmend überbewertet, da viele Anleger durch die anhaltende Kapitalschwemme nicht mehr rational Sachwerte bewerten, ob sie überhaupt noch preislich günstig oder fair bewertet sind, sondern nur noch getrieben von fehlenden Renditen der Geldwerte ihr Geld in alle möglichen Sachwerte investieren. Der zugrundeliegende Kursanstieg ist also nicht mehr auf eine tatsächliche, begründete Wertsteigerung zurückzuführen, sondern basiert lediglich auf den erhöhten Drang, sich von renditelosen Geldwerten abzuwenden und in Sachwerte überzugehen.

Bis kurz vor der Corona-Krise hatten wir genau diesen Zustand der überbewerteten Sachwerte. Mit dem Pandemiezustand kehrt diese Überbewertung nun bedingt durch die vielen wirtschaftlichen Folgen um: Einbruch der weltweiten Lieferketten, Zwangsschließung von Geschäften, vermehrte Kurzarbeit bei Unternehmen und signifikanter Konsumrückgang (mit Ausnahme von Lebensmitteln und Klopapier…). Dieser weltweite Einbruch der Wirtschaft verunsichert viele Anleger und die Befürchtung um eine nachhaltige Rezession führt zu Panikverkäufen an den Aktienmärkten. Die Folge: massive Kursrückgänge.

Und was soll ich nun mit meinen Aktien und ETFs machen?

Aktuell wird keinem von uns der Blick in unser Depot Freude machen. Vor allem wenn bis vor kurzem noch gute Gewinne sichtbar waren, sind nun alle Werte tiefrot. Da ist es vollkommen verständlich, dass einem da ganz mulmig wird und dich vielleicht sogar die Angst vor weiteren Verlusten so umtreibt, dass du kurz vor dem Verkauf bist.

Daher das Wichtigste erstmal: ruhig bleiben und dir nochmal bewusst machen, warum du investiert bist. Wie wir in meinem früheren Beitrag erkannt haben, geht es vor allem beim passiven Investieren um einen langen Anlagehorizont. Wie auch in anderen Bereichen des Lebens ist der Wirtschaftsverlauf ein Zyklus aus guten und schlechten Zeiten. Gleichzeitig bieten die aktuell niedrigen Kurse eine gute Chance, günstig zusätzliche Anteile zu erwerben. Denn nach einer langen Phase, in der die Kursanstiege hauptsächlich durch das billige Geld getrieben wurden, hast du jetzt die Chance Anteile von ETFs und/oder Aktien zu deutlich faireren Kursen zu kaufen. Eine maßgebliche Kennzahl, anhand der du die Bewertung von börsennotierten Unternehmen und die Tendenz erkennen kannst, werde ich im nächsten Artikel vorstellen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Also, bleib’ dran 😉

Kurzum

  1. Die Zentralbanken können mit dem Leitzins Anreize zum Konsum- und Sparverhalten von Individuen und Firmen setzen.
  2. Wenn die Zinsen niedrig sind, führt das auf lange Sicht zu steigenden Preisen und Kursen von Sachwerten, da Anleger von den ertragslosen, risikofreien Anlagen in Aktien und Immobilien flüchten.
  3. Wirtschaftszyklen sind charakterisiert durch Phasen des Auf- und Abschwungs. Langfristig orientierte Anleger können schwache Wirtschaftsphasen für günstige Investitionen von Sachwerten nutzen.

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