Aktiv oder passiv?

Aktiv oder Passiv – was in der Grammatik bzw. Linguistik oftmals Gebrauch findet, ist auch eine Kernfrage in der Geldanlage. Denn eine wesentliche Entscheidung, die jeder Anleger fällen muss, ist ob er aktiv oder passiv investieren möchte. Was ich bereits in diesem Artikel angesprochen habe, werden wir hier nochmal vertieft betrachten. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um zwei Anlagephilosophien, deren Anhänger sich ähnlich einem Glaubenskrieg gegenüberstehen.

Worum geht es?

Aktives Investieren ist, wie der Name schon andeutet, die Auswahl bestimmter Wertpapiere. Aktive Investoren bedienen sich hierbei maßgeblich zwei Werkzeugen: Stockpicking und Market Timing. Während Ersteres die Analyse und Auswahl bestimmter Aktien beinhaltet, zielt Letzteres auf die Bestimmung des richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunktes der Wertpapierpositionen ab. Für die Investitionsentscheidung ist es von äußerster Bedeutung, eine saubere Analyse des Unternehmens zu machen, die vielfältige Bereiche wie Unternehmensstrategie, Marktumfeld und den finanziellen Zustand des Unternehmens beleuchtet. Wie so eine beispielhafte Analyse aussehen kann, werde ich in einem zukünftigen Artikel erläutern.
Um es so einfach wie möglich zu sagen geht es beim aktiven Investieren um die Identifikation von unterbewerteten Unternehmen, die langfristig hohe Kurserträge versprechen. Wichtig für den langfristigen Erfolg ist die laufende Überprüfung der bestehenden Investitionen sowie die aktive Suche nach weiteren attraktiven Positionen.

Das passive Investieren hingegen ist zwar nicht komplett frei von jeglicher Arbeit, jedoch mit deutlich niedrigerem Aufwand verbunden. Die größte Arbeit kommt nämlich am Anfang mit der Definition des Anlagehorizontes und der Risikotoleranz. Wenn du im Anschluss noch die passenden Indizes aussuchst, hast du im weiteren Verlauf nur noch einen geringen Aufwand und kannst auf die magischen Kräfte des Zinseszins-Effektes bauen. Denn beim passiven Investieren geht es grundsätzlich genau um das Gegenteil des aktiven Investierens: Man setzt weder auf die Suche nach bestimmten Aktien, noch auf die Identifikation des optimalen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunktes. Mit sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds, zu Deutsch: börsengehandelte Indexfonds) fokussieren sich passive Investoren auf eine breit gestreute Anlage in den globalen Aktienmarkt. Durch die hohe Risikostreuung und regelmäßigen Sparraten über einen möglichst langen Anlagehorizont (>10 Jahre) nimmt man die langfristig positive Entwicklung der Weltwirtschaft als Rendite mit. Passive Investoren zielen also nicht darauf ab, mehr Gewinne einzufahren als der globale Aktienmarkt, haben aber dadurch auch kein Risiko, schlechter abzuschneiden.

Was ist nun besser?

Wer sich meine Artikel bisher fleißig durchgelesen hat, kann sich meine Antwort schon denken: Es kommt drauf an. Während das aktive Investieren sowohl am Anfang als auch im weiteren Verlauf mit deutlich mehr Aufwand verbunden ist, kannst du dich beim passiven Investieren nach der Planung zu Beginn zurücklehnen und die monatlichen Sparraten laufen lassen. Allerdings wirst du als passiver Investor auch keine Überrendite erzielen. Das bedeutet, dass du langfristig nicht mehr Gewinne verbuchen kannst als die Weltwirtschaft erzielt, da du mit der Investition in globale Indizes genau diesen Verlauf abbildest. Das Ziel des aktiven Investierens ist im Gegensatz dazu genau das Gegenteil: Einen vergleichbaren Index oder die Weltwirtschaft zu schlagen. Denn sonst wäre die zusätzliche Arbeit sinnlos. Je nach Erfahrung und auch Glück ist es also möglich, als aktiver Investor mehr Gewinne einzufahren als ein passives Investment in die Weltwirtschaft.

Was bedeutet das für dich? Nun, du musst entscheiden, ob du den Mehraufwand beim aktiven Investieren scheust oder nicht. Du hast zwar die Chance, durch geschickte Anlagen in unterbewertete Unternehmen höhere Gewinne zu erzielen, aber auch gleichzeitig das Risiko, schlechter abzuschneiden als ein passiver Investor.

Ausblick

Du wirst jetzt wahrscheinlich viele Fragen haben: Wie analysiert man denn nun Unternehmen? Was genau ist ein ETF? Worauf kommt es da an und wie investiere ich in Indizes? Das sind alles Fragen, auf die ich in weiteren Beiträgen ausführlich eingehen werde. Wichtig ist mir hier in diesem Beitrag die gegensätzlichen Philosophien in der Geldanlage vorzustellen. Du kannst dir deine Gedanken machen, welcher Weg für dich persönlich attraktiver ist. In weiteren Beiträgen werden wir dann tiefer in die Themen einsteigen. Also bleib‘ dran! 😉

Wie immer gilt: Fragen oder Anregungen zu neuen Themen sind jederzeit willkommen!

Kurzum

  1. Aktives und passives Investieren sind zwei Ansätze in der Geldanlage.
  2. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Je nach persönlichen Ambitionen eignet sich der eine oder andere Ansatz besser.

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