Aktien und der Zinseszinseffekt.

Der Zinseszinseffekt – ein vielfach genanntes Konzept in der Geldanlage und mit Abstand der entscheidende Faktor, wieso Vermögensaufbau mit einem langen Anlagehorizont so effektiv ist. Vor allem beim klassischen Zinskonto wird der Zinseszinseffekt immer wieder besonders eindrücklich erklärt und dargestellt. Bei Anlagen in Aktien und entsprechenden Fonds hingegen ist dieser Effekt wenig bekannt. Die naheliegende Frage ist: Gibt es bei Aktien denn einen Zinseszinseffekt? Und wenn ja, wie funktioniert er, wenn es keine Zinszahlungen wie bei einem klassischen Tagesgeldkonto gibt?

Was ist der Zinseszinseffekt eigentlich?

Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, lass uns doch vorab einen Blick darauf werfen, was der Zinseszinseffekt konkret ist. Zwar wird er den meisten bekannt sein, aber er wird oftmals in seiner Intensität vor allem bei höheren Zinssätzen unterschätzt. Grob gesagt beschreibt dieser Effekt den exponentiellen Wertanstieg eines Vermögens durch Wiederanlage der Zinsen. Bei einem klassischen Zinskonto, das beispielsweise 3% Zinsen pro Jahr zahlt, werden die verzinsten Beiträge des Vorjahres wieder mitverzinst. Der reale Gesamtanstieg beträgt im zweiten Jahr also 3,09%, wenn das bereits verzinste Vermögen im ersten Jahr verbleibt. Dieser Effekt verstärkt sich exponentiell, je länger das Vermögen unangetastet weiter verzinst wird. Lass uns das mal anhand eines Beispiels anschauen:

Quelle: Eigene Darstellung

Bei einer Einmalanlage von 10.000€ bei 3% ergibt sich nach 25 Jahren bereits eine Differenz von knapp 3.500€. Wohlbemerkt: Ohne weiteres Zutun vom Anleger. Das Geld ist in diesem Zeitraum lediglich im Zinskonto verblieben.

Dieser Effekt wirkt umso effektiver, je höher der Zinssatz ist. Bei einem gleichen Anlagezeitraum wird bei einem Zinssatz von 5% bereits eine Differenz von knapp 11.400€ erzielt im Vergleich zur Alternative ohne Zinseszinseffekt.

Quelle: Eigene Darstellung

Du siehst: Anlagezeitraum und Zinssatz können einen entscheidenden Unterschied bei der Geldanlage machen. Zwar gab es auch Zeiten, in denen Festgeldkonten höhere, einstellige Zinssätze gezahlt haben, allerdings sind diese nie konstant geblieben. Je nach Konjunkturzyklus und Entscheidungen der Zentralbank kann man sich auch wie aktuell in einer extremen Niedrigzinsphase befinden. Um langfristig solche Zinssätze zu erzielen, ist eine Anlage in Aktien unumgänglich. Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass Vermögensklassen mit Zinseszinseffekt langfristig in der Regel immer besser abschneiden werden als welche ohne.

Gibt es nun den Zinseszinseffekt bei Aktien und ETFs?

Die kurze Antwort: Ja. Denn als Anteilseigner partizipierst du 1:1 an den Gewinnen und Verlusten der Firma. Wenn die Aktiengesellschaft also ein gutes Jahr hatte und entscheidet, einen Teil der Gewinne an die Aktionäre auszuschütten, kannst du die Gewinnausschüttung wie die Zinszahlung bei einem Zinskonto betrachten. Dabei wird die Ausschüttungssumme aus der Höhe der Dividende pro Aktie und der Menge an Aktien im Besitz des Anlegers bestimmt. Wenn du dich also als Aktionär entscheidest, die Ausschüttung wieder anzulegen, besitzt du mehr Anteile an einem Unternehmen, die im Folgejahr zu einer höheren Dividendenausschüttung führt, wenn die Dividende pro Aktie mindestens gleich hoch bleibt.

Analog zur Verzinsung der Vorjahreszinsen beim Zinskonto hast du bei Aktien bis auf die Wiederanlage der Ausschüttungen ohne weiteres Zutun (im Sinne von weiterem Kapitaleinsatz) eine Art selbstverstärkenden Zinseffekt. Gleiches gilt übrigens auch für Aktien, die keine Dividenden zahlen. Die erzielten Gewinne verbleiben in der Aktiengesellschaft und werden automatisch reinvestiert. In diesem Fall besitzt du zwar im Nachgang nicht mehr dividendenberechtigte Anteile, aber die Anteile, die dir gehören, sind mehr wert. Da es den Dividendenabschlag bei ausschüttenden Aktien gibt, fällt der Kurs um genau den Dividendenbetrag. In beiden Fällen (Dividendenzahlung oder Einbehalten der Gewinne) bist du als Anleger in Sachen Zinseszins gleichgestellt. Entweder hast du Anteile, die mehr wert sind, oder mengenmäßig mehr Anteile, die weniger wert sind.

Da ein ETF nichts anderes als eine Art Bündelung von Einzelaktien sind, tritt dieser Effekt in gleichem Maße auf.

Kurzum

  1. Der Zinseszinseffekt ist der Grund für einen exponentiellen Wertanstieg.
  2. Anlagezeitraum und Zinshöhe bestimmen maßgeblich die Intensität des Zinseszinseffektes.
  3. Anleger in Aktien und ETFs profitieren unabhängig von der Ausschüttungseigenschaft des Wertpapiers vom Zinseszins.

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